Benjamin Moritz English

Eine Hommage in Zahlen

Unternehmen: wo Wohlstand entsteht

„Wohlstand entsteht dort, wo jemand etwas wagt.“

Hinter jedem der rund 3,2 Millionen Unternehmen in Deutschland stehen Menschen, die etwas gewagt haben: eigenes Geld, eigene Zeit und oft ihre Existenz. Diese Seite zeigt in Zahlen, was sie leisten und wie oft es schiefgeht.

Wie viele von 100 Gründungen gibt es nach fünf Jahren noch?

37 von 100nach 5 Jahren noch aktiv

Gründungen 2015 in Industrie, Bau und Dienstleistungen. Quelle: Eurostat, Daten des Statistischen Bundesamts. Mehr dazu: Vom Gründen bis zum Übergeben

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Kurz gesagt

  1. Unternehmer setzen Neues durch: ein neues Produkt, eine neue Art zu produzieren, einen neuen Markt, eine neue Quelle für Rohstoffe oder eine neue Organisation.
  2. Fast neun von zehn Erwerbstätigen arbeiten nicht beim Staat: 2025 waren 5,5 von 46,0 Millionen im öffentlichen Dienst.
  3. Von 100 Unternehmen, die 2015 gegründet wurden, waren fünf Jahre später noch 37 aktiv.
  4. Rund 90 % der Unternehmen sind Familienunternehmen. Bis 2030 stehen rund 186.000 zur Übergabe an; bisher blieb gut die Hälfte der Übergaben in der Familie.
  5. Von 100 Euro Umsatz blieben den Unternehmen 2024 im Schnitt rund 3,50 Euro Gewinn nach Steuern.
  6. Von 100 Euro, mit denen Unternehmen arbeiten, gehören ihnen 31 selbst; 1997 waren es 20.
  7. Fast alle 1,2 Millionen Auszubildenden lernen in Unternehmen, und Unternehmen leisten gut zwei Drittel der Forschung.
  8. Umsatz- und Lohnsteuer bringen 58 % aller Steuern. Beide überweisen Unternehmen an das Finanzamt.

Was ein Unternehmer tut

Fünf Wege, Neues durchzusetzen

Joseph Schumpeter beschrieb 1911, was einen Unternehmer ausmacht: Er setzt Neues durch. Das kann ein neues Produkt sein, eine neue Art zu produzieren, ein neuer Markt, eine neue Quelle für Rohstoffe oder eine neue Organisation. Wer so anfängt, hat meist kein eigenes Vermögen. Er braucht Kredit, wird also zuerst Schuldner, und wer ihm das Geld leiht, trägt das Risiko mit.

  1. Ein neues Produkt

    Carl Benz, 1886

    Am 29. Januar meldet Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an, im Juli folgt die erste öffentliche Fahrt. Daraus wird das Auto. Zeitleiste: Das Automobil

  2. Eine neue Art zu produzieren

    Johannes Gutenberg, Mainz, um 1450

    Gutenberg druckt mit beweglichen Metalllettern: Bücher werden nicht mehr abgeschrieben, sondern gesetzt und gedruckt. Seine erste Druckerei richtet er mit einem Kredit ein. Zeitleiste: Buchdruck

  3. Ein neuer Markt

    Robert Bosch, Stuttgart, 1886 bis 1902

    Bosch eröffnet 1886 eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik, mit 10.000 Mark aus dem Erbe seines Vaters. In der Krise von 1892 muss er bis auf zwei alle Beschäftigten entlassen. 1902 entwickelt seine Firma den Hochspannungs-Magnetzünder für Benzinmotoren; er wird zum Ausgangspunkt für das Geschäft im Ausland, später liefert die Firma vor allem Zubehör für Autos. Zeitleiste: Bosch und seine Stiftung

  4. Eine neue Quelle für Rohstoffe

    Jakob Fugger, Augsburg, ab 1494

    Mit dem Krakauer Kaufmann und Ingenieur Johann Thurzo steigt Fugger in den Bergbau und den Metallhandel in Ungarn ein, mit Schwerpunkt in Neusohl, dem heutigen Banská Bystrica. Später stiftet er die Fuggerei in Augsburg. Zeitleiste: Die Fuggerei

  5. Eine neue Organisation

    Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Heddesdorf, 1864

    Raiffeisen gründet einen Darlehnskassen-Verein: Die Mitglieder helfen sich selbst, haften gemeinsam und verteilen keine Gewinne; geleitet wird ehrenamtlich. Daraus werden die Genossenschaftsbanken. Zeitleiste: Genossenschaftsbanken

Gemeinsam ist allen fünf: Sie haben Geld, Zeit und ihren Ruf eingesetzt, bevor feststand, ob es sich lohnt.

Wo gearbeitet wird

Erwerbstätige 2025 und tätige Personen in Unternehmen 2024

Im Jahresdurchschnitt 2025 waren in Deutschland rund 46,0 Millionen Menschen erwerbstätig. 42,3 Millionen davon arbeiteten als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, 3,7 Millionen waren selbstständig oder halfen im Betrieb der Familie mit. Im öffentlichen Dienst, etwa bei Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung, arbeiteten Mitte 2025 rund 5,5 Millionen Menschen, etwa 12 % aller Erwerbstätigen. Die Grafik führt Stufe für Stufe von den Einwohnern zu ihren Arbeitgebern.

Fast neun von zehn Erwerbstätigen arbeiten nicht beim Staat, sondern in Unternehmen oder selbstständig.

Von den Einwohnern zu den Arbeitgebern, 2025, in Millionen

diese Stufedie Stufe davor

  1. Einwohner 83,6

  2. Im Alter von 15 bis 64 53,0dazu 19,0 Millionen ab 65 und 11,6 Millionen unter 15 Jahren

  3. Erwerbstätig 46,0davon 2,0 Millionen ab 65 Jahren; 1,7 Millionen erwerbslos

  4. In Unternehmen oder selbstständig 40,55,5 Millionen arbeiten im öffentlichen Dienst

  5. In Unternehmen, nach Größe des Unternehmens (2024) 39,3

    • Kleinst (unter 10 Personen) 7,1
    • Klein (10 bis 49) 7,9
    • Mittel (50 bis 249) 6,3
    • Groß (250 und mehr) 18,1
  6. Zum Vergleich: bei den 40 DAX-Konzernen in Deutschland (2025) 1,537 % ihrer 4,06 Millionen Beschäftigten weltweit; Konzerne aller Branchen, auch Banken und Versicherer

Einwohner und Altersgruppen am 1. Januar 2025 (Eurostat); Erwerbstätige 2025 im Jahresdurchschnitt mit Arbeitsort in Deutschland (Statistisches Bundesamt), davon die ab 65 Jahren und die Erwerbslosen von 15 bis 64 Jahren nach der Arbeitskräfteerhebung (Eurostat); öffentlicher Dienst am 30. Juni 2025; tätige Personen in Unternehmen nach Größe 2024 (18, 20, 16 und 46 % von 39,3 Millionen, gerundet; Größe nach tätigen Personen, jeweils mit Umsatzgrenzen; Unternehmen aus Industrie, Energie, Handel, Gastgewerbe und den meisten Dienstleistungen). DAX-Konzerne: EY-Parthenon, Employment Barometer 2026, nach ihren Nachhaltigkeitsberichten für 2025; eine amtliche Zählung für alle börsennotierten Unternehmen gibt es nicht. Die Zahlen stammen aus verschiedenen Statistiken und passen nur ungefähr zusammen.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Über die Zeit lief es nicht in eine Richtung. 1991 arbeiteten 6,7 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst, 17 von 100 Erwerbstätigen. Bis 2009 sank die Zahl auf 4,5 Millionen, vor allem durch Privatisierungen wie bei Bahn und Post: Wer dort arbeitet, zählt seitdem nicht mehr zum öffentlichen Dienst. Seit 2009 wächst der öffentliche Dienst wieder, um 20 % auf 5,5 Millionen, schneller als die Zahl aller Erwerbstätigen (12 %); die größten Zuwächse gab es zuletzt an Schulen, Hochschulen und in Kitas.

Der öffentliche Dienst schrumpfte bis 2009 und wächst seitdem schneller als die Beschäftigung insgesamt.

Erwerbstätige und Beschäftigte im öffentlichen Dienst, 1991 bis 2025, in Millionen

Öffentlicher DienstÜbrige Erwerbstätige: Unternehmen, Selbstständige und andere

0102030405019912000201020202025

Anteil des öffentlichen Dienstes an allen Erwerbstätigen, in %

Öffentlicher Dienst: Beschäftigte am 30. Juni (Beamte und Richter, Soldaten, Arbeitnehmer), 2025 vorläufig; 1991 bis 2005 im Abstand von fünf Jahren. Erwerbstätige: Jahresdurchschnitt, Arbeitsort Deutschland. Beide Zahlen werden verschieden erhoben, der Anteil ist daher ungefähr. Quellen: Statistisches Bundesamt; Eurostat (Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen).

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Von den Unternehmen, die das Statistische Bundesamt für 2024 zählt, waren rund 3,2 Millionen kleine und mittlere Unternehmen (KMU), das sind 99,3 %. 2,7 Millionen davon waren Kleinstunternehmen; groß waren nur rund 21.500. Trotzdem arbeitet fast die Hälfte der Menschen in den großen: Von 39,3 Millionen tätigen Personen in diesen Unternehmen arbeiteten 54 % in KMU und 46 % in großen Unternehmen.

Tätige Personen in Unternehmen 2024 nach Größe des Unternehmens, in %

Kleinstunternehmen18 %
Kleine Unternehmen20 %
Mittlere Unternehmen16 %
Große Unternehmen46 %
Kleinst: unter 10 tätige Personen, klein: unter 50, mittel: unter 250, jeweils mit Umsatzgrenzen; groß: alle übrigen (100 minus 54 %). Unternehmen aus Industrie, Energie- und Wasserversorgung, Handel, Gastgewerbe und den meisten Dienstleistungen. Quelle: Statistisches Bundesamt, 12.8.2026.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Vom Gründen bis zum Übergeben

Gründungen, Schließungen, Insolvenzen und Nachfolge

2023 wurden in Deutschland rund 269.000 Unternehmen neu gegründet, 8,4 % aller Unternehmen. Gut 283.000 Unternehmen schlossen im selben Jahr. Gezählt werden nur echte Gründungen und Schließungen von Unternehmen, die wirtschaftlich tätig sind; wer durch eine Übernahme, eine Abspaltung oder als Nachfolger eines anderen Unternehmens entsteht, zählt nicht. Wie lange halten neue Unternehmen durch? Die Grafik verfolgt die Gründungen des Jahres 2015 über fünf Jahre.

Was aus 100 Gründungen des Jahres 2015 wurde

  • bis 2016 geschlossen22
  • 2017 geschlossen15
  • 2018 geschlossen12
  • 2019 geschlossen7
  • 2020 geschlossen7
  • 2020 noch aktiv37
Unternehmensgründungen 2015 in Industrie, Bau und Dienstleistungen (ohne Holdinggesellschaften) und ihr Anteil, der ein bis fünf Jahre später noch aktiv war (77,6; 62,9; 50,7; 44,2 und 37,1 %), auf ganze Unternehmen von 100 gerundet. Quelle: Statistisches Bundesamt, Unternehmensdemografie, über Eurostat.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Neuere Jahrgänge halten sich etwas besser: Von den 2021 gegründeten Unternehmen waren nach einem Jahr noch 81 von 100 aktiv, nach drei Jahren 58 (Jahrgang 2015: 78 und 51). Zwischen den Branchen ist der Unterschied groß: Fünf Jahre nach der Gründung waren 2023 in der Gastronomie noch 36 % der Unternehmen aktiv, bei kreativen, künstlerischen und unterhaltenden Tätigkeiten 27 %, im Veterinärwesen 60 %.

Nicht jede Schließung ist eine Pleite. Ein Insolvenzverfahren beantragten 2023 17.814 Unternehmen, ein kleiner Teil der gut 283.000 Schließungen. 2025 waren es 24.064 Unternehmensinsolvenzen, so viele wie seit 2014 nicht mehr: 69 je 10.000 Unternehmen.

Am Ende des Unternehmerlebens steht die Übergabe. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt, dass von 2026 bis 2030 rund 186.000 Familienunternehmen übergeben werden, weil ihre Inhaber aus Altersgründen, wegen Krankheit oder Tod aus der Geschäftsführung ausscheiden. Mitgezählt sind nur Unternehmen, die genug abwerfen, dass sich die Übernahme lohnt. Wer bisher übernommen hat, zeigt die Grafik.

Wer ein Familienunternehmen übernimmt, in %

Kinder oder andere aus der Familie54 %
Eine oder mehrere Beschäftigte17 %
Käufer von außen29 %
Auswertung von 23 Studien aus gut 40 Jahren, leicht korrigiert um Verzerrungen der Befragungen; in den Studien der letzten 15 Jahre hat die Übergabe in der Familie leicht an Bedeutung verloren. Quelle: IfM Bonn, Daten und Fakten 37, November 2025.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Familien­unternehmen

Schätzung des IfM Bonn für 2019

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt, dass es 2019 rund 3,2 Millionen Familienunternehmen gab, rund 90 % aller Unternehmen. Sie erwirtschafteten rund 37 % aller Umsätze, und in ihnen arbeiteten rund 56 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 591.000 von ihnen, 18 %, wurden von Frauen geführt. Als Familienunternehmen zählt das IfM ein Unternehmen, wenn Eigentum und Leitung in der Hand einer Familie liegen.

Manche Familienunternehmen bestehen seit Jahrhunderten. Merck in Darmstadt geht auf eine Apotheke von 1668 zurück und blickte 2018 auf 350 Jahre als familiengeführtes Unternehmen. Wo keine Familie übernimmt, kann eine Stiftung Eigentümerin werden: 1889 übertrug Ernst Abbe seine Anteile an Zeiss und Schott der Carl-Zeiss-Stiftung, 1964 übertrug die Familie Bosch die Mehrheit an der Robert Bosch GmbH einer gemeinnützigen Gesellschaft, und 1967 ging das Vermögen des letzten Krupp-Inhabers an eine gemeinnützige Stiftung.

Die Zeitleiste erzählt von Unternehmern und ihren Gründungen: die Fuggerei (1521), Merck (1668), Krupp (1811), Siemens & Halske (1847), die Carl-Zeiss-Stiftung (1889), Bosch und seine Stiftung (1964) und SAP (1972).

Wohin 100 Euro Umsatz gehen

Aufwand und Gewinn der Unternehmen 2024

Wie viel bleibt einem Unternehmen von seinem Umsatz? Die Bundesbank rechnet die Jahresabschlüsse von rund 130.000 Unternehmen auf fast alle Unternehmen außerhalb der Finanzbranche hoch. 2024 setzten sie zusammen 8.482 Milliarden Euro um. Die Grafik verteilt 100 Euro davon.

Von 100 Euro Umsatz bleiben 3,53 Euro Gewinn nach Steuern.

Wohin 100 Euro Umsatz gehen, Unternehmen in Deutschland 2024, in Euro

  • Material, Waren und eingekaufte Leistungen65,51
  • Übrige Kosten abzüglich übriger Erträge9,15
  • Für Beschäftigte, Geldgeber, Staat und Eigentümer25,34
  • Löhne, Gehälter, Sozialabgaben16,96
  • Abschreibungen2,80
  • Zinsen1,15
  • Gewinnsteuern0,90
  • Gewinn nach Steuern3,53
Hochgerechnete Jahresabschlüsse der Unternehmen aus Industrie, Energie, Bau, Handel, Verkehr, Gastgewerbe und Dienstleistungen, ohne Finanz- und Wohnungswirtschaft; 2024 teils geschätzt, auf 100 Euro Umsatz umgerechnet und gerundet. Material: Materialaufwand; übrige Kosten: übrige Aufwendungen und Betriebssteuern abzüglich Zins- und übriger Erträge und Bestandsveränderungen; Gewinnsteuern: Steuern vom Einkommen und Ertrag; Gewinn: Jahresergebnis. Quelle: Deutsche Bundesbank, Jahresabschlussstatistik (Hochgerechnete Angaben), Dezember 2025. Untere Leiste: die 25,34 Euro, die bleiben, auf die ganze Breite vergrößert.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Rund zwei Drittel des Umsatzes gehen an Lieferanten für Material, Waren und eingekaufte Leistungen. Löhne, Gehälter und Sozialabgaben kosten 16,96 Euro, Abschreibungen auf Maschinen, Gebäude und andere Anlagen 2,80 Euro, Zinsen 1,15 Euro. Gewinnsteuern zahlen die Unternehmen 0,90 Euro. Als Gewinn bleiben 3,53 Euro, vor Steuern 4,43 Euro. Davon schütten die Unternehmen an ihre Eigentümer aus oder investieren.

Weil so wenig übrig bleibt, wirken kleine Änderungen stark. Ein Rechenbeispiel: Steigen die Einkaufspreise um 1 %, ohne dass die Verkaufspreise mitziehen, kostet das 0,66 Euro je 100 Euro Umsatz. Der Gewinn vor Steuern sinkt damit von 4,43 auf 3,77 Euro, um rund ein Siebtel.

Das sind Summen über alle Unternehmen; große Unternehmen wiegen darin schwer, und je nach Branche sieht die Rechnung ganz anders aus. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften steckt im Gewinn auch das Einkommen der Inhaber, die sich kein Gehalt zahlen, und ihre Einkommensteuer fehlt bei den Gewinnsteuern.

Unternehmen verstehen

Gewinnschwelle, die drei Rechnungen, Kennzahlen, Lebenszyklus

Wer ein Unternehmen verstehen will, braucht vier Blicke: Ab wann trägt sich das Geschäft? Was besitzt es, und wer hat es bezahlt? Wie solide ist es? Und wohin fließt sein Geld? Die Grafiken zeigen es an einer erfundenen Bäckerei, an der Bosch-Gruppe und am Durchschnitt aller Unternehmen in Deutschland.

Ab wann sich das Geschäft trägt

Jedes Geschäft hat Kosten, die bleiben, egal wie viel es verkauft: Miete, feste Löhne, Zinsen. Und Kosten, die mit jedem Stück steigen: Mehl, Strom für den Ofen, Tüten. Was ein Brot über seine eigenen Kosten hinaus einbringt, heißt Deckungsbeitrag. Erst wenn die Deckungsbeiträge die festen Kosten decken, verdient die Bäckerei: an der Gewinnschwelle.

Ab 9.000 Broten im Monat trägt sich die Bäckerei.

Eine Bäckerei in einem Monat: Umsatz und Kosten, in Tausend Euro

4,00 €
1,50 €
22.500 €
10.000

UmsatzKostenFeste Kosten

02040608005.00010.00015.00020.000GewinnschwelleBrote im Monat

Bei 10.000 Broten: 2.500 € Gewinn im Monat. Ein Zehntel mehr Brote verkauft: 100 % mehr Gewinn.

Erfundenes Beispiel zum Ausprobieren; feste Kosten: Miete, feste Löhne, Zinsen und Ähnliches; variable Kosten: Mehl, Strom, Verpackung. Über der Gewinnschwelle wächst der Gewinn schneller als der Umsatz, darunter der Verlust.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Drei Rechnungen: GuV, Bilanz, Kapitalfluss

Über ein ganzes Jahr führt jedes Unternehmen drei Rechnungen. Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) zeigt, was das Jahr eingebracht und gekostet hat. Die Bilanz zeigt an einem Stichtag, was das Unternehmen besitzt und wer es bezahlt hat. Die Kapitalflussrechnung zeigt, woher das Geld kam und wohin es ging. Die Grafik führt in zwölf Schritten durch die drei Rechnungen derselben Bäckerei.

Die Bäckerei verdient 21.000 Euro, und doch hat sie am Jahresende 16.000 Euro weniger in der Kasse.

Die Bäckerei in einem Jahr: GuV, Bilanz und Kapitalflussrechnung, in Tausend Euro

  1. 1. Umsatz

    Die Bäckerei aus der Grafik oben verkauft jeden Monat 10.000 Brote zu 4 Euro, im Jahr 480.000 Euro. Das ist ihr Umsatz, die erste Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Die GuV zeigt, was ein Jahr eingebracht und was es gekostet hat.

    GuV Umsatz: 120.000 Brote zu 4 € 480

  2. 2. Kosten

    Mehl, Strom und Tüten kosten 1,50 Euro je Brot, im Jahr 180.000 Euro: Diese Kosten steigen mit jedem Brot. Löhne, Miete und Versicherungen fallen an, egal wie viel die Bäckerei verkauft. Das sind die festen Kosten aus der Grafik oben.

    GuV Mehl, Strom, Verpackung −180GuV Löhne und Gehälter −168GuV Miete und sonstige Kosten −60

  3. 3. Abschreibungen

    Ofen, Ladeneinrichtung und Lieferwagen halten viele Jahre. Ihr Preis wird deshalb auf die Jahre verteilt, in denen sie genutzt werden: als Abschreibung, hier 36.000 Euro. Um diesen Betrag sinkt ihr Wert in der Bilanz, bevor Neues hinzukommt.

    GuV Abschreibungen −36Bilanz Ofen, Ladeneinrichtung, Lieferwagen 200 → 204

  4. 4. Betriebsergebnis

    Nach allen Kosten des Geschäfts bleiben 36.000 Euro: das Betriebsergebnis, oft EBIT genannt (Gewinn vor Zinsen und Steuern). Von 100 Euro Umsatz sind das 7,50 Euro, die EBIT-Marge.

    GuV Betriebsergebnis (EBIT) 36

  5. 5. Zinsen und Steuern

    Für ihren Bankkredit zahlt die Bäckerei 6.000 Euro Zinsen, auf den Gewinn danach 9.000 Euro Steuern. Zinsen hängen davon ab, wie ein Unternehmen finanziert ist, nicht davon, wie gut das Geschäft läuft; deshalb trennt die GuV beides.

    GuV Zinsen −6GuV Steuern auf den Gewinn −9Bilanz Bankkredit 160 → 140

  6. 6. Gewinn und Eigenkapital

    Übrig bleiben 21.000 Euro. Dieser Gewinn gehört den Inhabern. 10.000 Euro lassen sie sich auszahlen, 11.000 Euro bleiben in der Firma und erhöhen das Eigenkapital von 90.000 auf 101.000 Euro. Hier treffen sich GuV und Bilanz.

    GuV Jahresüberschuss 21Bilanz Eigenkapital: Geld der Inhaber 90 → 101Kapitalfluss Ausschüttung an die Inhaber −10

  7. 7. Bilanz

    Die Bilanz zeigt an einem Stichtag links, was die Bäckerei besitzt (Aktiva: Anlagevermögen, das bleibt, und Umlaufvermögen, das sich umschlägt), und rechts, wer es bezahlt hat (Passiva). Beide Seiten sind immer gleich groß: Jeder Euro im Unternehmen stammt von den Inhabern (Eigenkapital) oder von Gläubigern wie Bank und Lieferanten (Fremdkapital). Am 31. Dezember sind es 264.000 Euro.

    Bilanz Summe Aktiva 270 → 264Bilanz Summe Passiva 270 → 264

  8. 8. Gewinn ist nicht gleich Geld

    Die Kapitalflussrechnung rechnet den Gewinn in Geld um. Sie beginnt beim Jahresüberschuss und zählt die Abschreibungen wieder hinzu: Sie haben den Gewinn gemindert, aber in diesem Jahr kein Geld gekostet, denn bezahlt wurde der Ofen, als er gekauft wurde.

    Kapitalfluss Jahresüberschuss 21Kapitalfluss Abschreibungen wieder hinzu 36

  9. 9. Gebundenes Geld

    Mehr Mehl im Lager (2.000 Euro) und Kunden, die später zahlen (4.000 Euro), binden Geld; dass die Bäckerei ihre Lieferanten später bezahlt (3.000 Euro), schont die Kasse. Unterm Strich fehlen 3.000 Euro; Fachleute sprechen vom Working Capital. Aus dem laufenden Geschäft fließen so 54.000 Euro zu, mehr als der Gewinn.

    Kapitalfluss Mehr Vorräte und Forderungen, mehr Lieferantenschulden −3Kapitalfluss Geld aus dem Geschäft 54Bilanz Vorräte: Mehl, Verpackung 10 → 12Bilanz Forderungen an Kunden 20 → 24Bilanz Schulden bei Lieferanten 20 → 23

  10. 10. Investitionen

    Ein neuer Ofen kostet 40.000 Euro. Das Geld ist sofort weg; in der GuV erscheint der Ofen erst nach und nach als Abschreibung. Die Anlagen steigen von 200.000 auf 204.000 Euro (plus 40, minus 36). Was vom Geld aus dem Geschäft nach den Investitionen bleibt, heißt Free Cashflow: 14.000 Euro.

    Kapitalfluss Neuer Ofen −40Kapitalfluss Free Cashflow 14Bilanz Ofen, Ladeneinrichtung, Lieferwagen 200 → 204

  11. 11. Kapitalgeber

    Die Bank bekommt 20.000 Euro Tilgung, der Kredit sinkt auf 140.000 Euro. Die Inhaber bekommen 10.000 Euro. Zusammen sind das 30.000 Euro, mehr als die 14.000 Euro Free Cashflow.

    Kapitalfluss Tilgung an die Bank −20Kapitalfluss Ausschüttung an die Inhaber −10Bilanz Bankkredit 160 → 140

  12. 12. Kasse

    Deshalb sinkt die Kasse um 16.000 Euro, von 40.000 auf 24.000 Euro, obwohl die Bäckerei 21.000 Euro Gewinn gemacht hat. Genau dieser Betrag steht am Jahresende in der Bilanz: Hier treffen sich alle drei Rechnungen.

    Kapitalfluss Veränderung der Kasse −16Bilanz Kasse und Bank 40 → 24

Gewinn- und Verlustrechnung 1. Januar bis 31. Dezember

Jahr
Umsatz: 120.000 Brote zu 4 €480
Mehl, Strom, Verpackung−180
Löhne und Gehälter−168
Miete und sonstige Kosten−60
Abschreibungen−36
Betriebsergebnis (EBIT)36
Zinsen−6
Steuern auf den Gewinn−9
Jahresüberschuss21

Kapitalflussrechnung Geld rein und raus im Jahr

Jahr
Geschäft
Jahresüberschuss21
Abschreibungen wieder hinzu36
Mehr Vorräte und Forderungen, mehr Lieferantenschulden−3
Geld aus dem Geschäft54
Investitionen
Neuer Ofen−40
Free Cashflow14
Kapitalgeber
Tilgung an die Bank−20
Ausschüttung an die Inhaber−10
Veränderung der Kasse−16

Bilanz am 1. Januar und am 31. Dezember

Aktiva: was die Bäckerei besitzt
1.1.31.12.
Anlagevermögen
Ofen, Ladeneinrichtung, Lieferwagen200204
Umlaufvermögen
Vorräte: Mehl, Verpackung1012
Forderungen an Kunden2024
Kasse und Bank4024
Summe Aktiva270264
Passiva: wer es bezahlt hat
1.1.31.12.
Eigenkapital
Eigenkapital: Geld der Inhaber90101
Fremdkapital
Bankkredit160140
Schulden bei Lieferanten2023
Summe Passiva270264
Erfundenes Beispiel; dieselbe Bäckerei wie in der Grafik zur Gewinnschwelle, mit 10.000 Broten im Monat. Vereinfacht: keine Rückstellungen, Steuern und Zinsen im selben Jahr bezahlt.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Wie sieht das bei einem großen Unternehmen aus? Die Bosch-Gruppe gehört überwiegend der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung und ist nicht an der Börse; ihre Zahlen stehen im Geschäftsbericht. Wie es zur Stiftung kam, erzählt die Zeitleiste: Bosch und seine Stiftung.

Dieselben drei Rechnungen im Großen: 91 Milliarden Euro Umsatz, 413.000 Beschäftigte.

Bosch-Gruppe 2025: GuV, Bilanz und Kapitalflussrechnung, vereinfacht, in Milliarden Euro

Gewinn- und Verlustrechnung

2025
Umsatz91,0
Kosten der verkauften Produkte−63,3
Vertrieb und Verwaltung−18,9
Forschung und Entwicklung−7,9
Übrige Erträge und Aufwendungen0,5
Betriebsergebnis (EBIT)1,4
Finanzergebnis−0,9
Steuern−0,9
Ergebnis nach Steuern−0,4

Kapitalflussrechnung

2025
Geld aus dem Geschäft5,5
Investitionen−8,5
darunter Kauf eines Klimatechnik-Geschäfts−7,2
Kapitalgeber2,6
darunter neue Anleihen und Kredite5,3
darunter Tilgung und Leasing−2,2
darunter Dividenden−0,5
Veränderung der Zahlungsmittel−0,4

Bilanz

Aktiva: was Bosch besitzt
Ende 2024Ende 2025
Langfristig: Anlagen, Gebäude, Beteiligungen u. a.58,765,7
Kurzfristig: Vorräte, Forderungen, Liquidität54,150,6
darunter Liquidität26,923,7
Summe112,8116,3
Passiva: wer es bezahlt hat
Ende 2024Ende 2025
Eigenkapital50,048,4
Langfristige Schulden: Anleihen, Pensionen u. a.29,733,5
Kurzfristige Schulden33,134,5
Summe112,8116,3
Robert Bosch GmbH, Konzernabschluss nach internationalen Regeln (IFRS), vereinfacht; Summen können wegen Rundung abweichen. Die Liquidität in der Bilanz umfasst auch Wertpapiere und längere Bankguthaben, die Kapitalflussrechnung zählt nur Zahlungsmittel (Ende 2025: 7,4 Milliarden Euro). Quelle: Bosch, Geschäftsbericht 2025.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Bosch ordnet seine Kosten nach Aufgaben (Herstellung, Vertrieb und Verwaltung, Forschung), nicht nach Arten (Material, Löhne) wie die Bäckerei; das Ergebnis ist dasselbe. 2025 belasteten vor allem Rückstellungen für den Abbau von Stellen das Ergebnis; ohne solche Sondereffekte weist Bosch ein operatives EBIT von 1,8 Milliarden Euro aus, 2,0 % des Umsatzes.

In der Kapitalflussrechnung fällt ein Posten auf: Bosch kaufte für 7,2 Milliarden Euro ein Geschäft mit Heizungs- und Klimatechnik und bezahlte es auch mit neuen Anleihen. Deshalb tragen die drei Ströme in diesem Jahr die Vorzeichen eines wachsenden Unternehmens (plus, minus, plus; mehr dazu im Lebenszyklus unten). Ein einzelnes Jahr kann täuschen.

Kennzahlen

Aus den drei Rechnungen lassen sich Kennzahlen bilden. Sie machen Unternehmen jeder Größe vergleichbar, weil sie Beträge ins Verhältnis setzen: zum Umsatz, zur Bilanzsumme oder zum Eigenkapital. Die Tabelle rechnet sie für die Bäckerei vor und stellt die echten Zahlen der Bosch-Gruppe daneben.

Kennzahlen: die Bäckerei vorgerechnet, Bosch 2025 daneben
KennzahlBäckereiBosch 2025
Umsatzrendite vor SteuernErgebnis vor Steuern je 100 Euro Umsatz6,3 %30 : 4800,6 %0,5 : 91,0
EBIT-MargeBetriebsergebnis je 100 Euro Umsatz7,5 %36 : 4801,5 %1,4 : 91,0
EigenkapitalquoteEigenkapital je 100 Euro Bilanzsumme: das Polster für Verluste38,3 %101 : 26441,6 %48,4 : 116,3
EigenkapitalrenditeErgebnis nach Steuern je 100 Euro Eigenkapital zu Jahresbeginn: was die Eigentümer auf ihr Geld verdienen23,3 %21 : 90−0,7 %−0,4 : 50,0
Cashflow-MargeGeld aus dem Geschäft je 100 Euro Umsatz11,3 %54 : 4806,0 %5,5 : 91,0
Free Cashflowwas nach den Investitionen bleibt, je 100 Euro Umsatz (Bosch: nach eigener Definition)2,9 %14 : 4800,3 %0,3 : 91,0
Anlagendeckunglangfristiges Geld (Eigenkapital und langfristige Schulden) je 100 Euro Anlagen; über 100 ist, was lange bleibt, auch lange finanziert (Bosch: langfristige Vermögenswerte)118,1 %241 : 204124,6 %81,9 : 65,7
Investitionen zu Abschreibungenüber 1 wächst der Bestand an Anlagen (Bosch: Sachanlagen)1,140 : 361,14,1 : 3,7

Bäckerei erfunden, Beträge in Tausend Euro; Bosch in Milliarden Euro, aus dem Geschäftsbericht 2025. Zum Vergleich der Durchschnitt aller Unternehmen in Deutschland 2024: Umsatzrendite vor Steuern 4,4 %, Eigenkapitalquote 31,0 % (Deutsche Bundesbank, unten).

Tabelle: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Kennzahlen stehen nicht für sich; sie hängen zusammen wie die Äste eines Baums. Oben steht die Gesamtkapitalrendite: was das Geschäft je 100 Euro verdient, die in ihm stecken. Sie ist das Produkt zweier Zahlen: wie viel von jedem Euro Umsatz bleibt (EBIT-Marge) und wie oft sich das Kapital im Jahr in Umsatz umschlägt. Der Chemiekonzern DuPont hat mit einem solchen Baum schon vor hundert Jahren gesteuert; bis heute beginnen viele Analysen damit. Probieren Sie aus, wo die Bäckerei ziehen kann.

Zehn Prozent mehr verkauft heben die Rendite von 13,6 auf 25 %: Die festen Kosten bleiben gleich.

Der Kennzahlenbaum der Bäckerei, in Tausend Euro

Gesamtkapitalrendite13,6 %
EBIT-Marge7,5 %
Kapitalumschlag1,82-mal im Jahr
Betriebsergebnis36
Umsatz480
  • Umsatz 480
  • − Mehl, Strom, Verpackung 180
  • − Löhne 168
  • − Miete u. a. 60
  • − Abschreibungen 36
Umsatz480
Gesamtkapital264
  • Anlagen 204
  • + Vorräte 12
  • + Forderungen 24
  • + Kasse 24
Erfundene Bäckerei von oben. Gesamtkapitalrendite hier: Betriebsergebnis in % der Bilanzsumme am Jahresende. Die Hebel lassen sich verbinden. Idee des Baums nach DuPont; für den Mittelstand durchgerechnet bei Thomas Dobler (1998).

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Und im Durchschnitt? Je 100 Euro Bilanzsumme besaßen die Unternehmen in Deutschland 2024 im Schnitt 23,8 Euro an Maschinen, Gebäuden und anderen Anlagen, 17,5 Euro an Vorräten, 31,4 Euro an Forderungen, vor allem an Kunden und eigene Tochterfirmen, 17,5 Euro an Beteiligungen an anderen Unternehmen und 9,8 Euro an Bargeld, Bankguthaben und Wertpapieren.

Von 100 Euro, mit denen Unternehmen arbeiten, gehören ihnen 31 selbst.

Bilanz des Durchschnittsunternehmens 2024, in Euro je 100 Euro Bilanzsumme

Unternehmen aus Industrie, Energie, Bau, Handel, Verkehr, Gastgewerbe und Dienstleistungen, ohne Finanz- und Wohnungswirtschaft; 2024 teils geschätzt. Anlagen einschließlich immaterieller Werte, Forderungen einschließlich Rechnungsabgrenzung; Übriges (1,0, ganz unten rechts): Rechnungsabgrenzung und Ähnliches. Quelle: Deutsche Bundesbank, Jahresabschlussstatistik (Hochgerechnete Angaben), Dezember 2025.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Die Unternehmen haben ihr Polster ausgebaut: 1997 kamen knapp 20 von 100 Euro aus eigenen Mitteln, 2024 waren es 31. Die Rendite auf den Umsatz hat sich dagegen kaum verändert und schwankt um 4 %.

31,0 %Eigenkapitalquote: das Polster für Verluste

4,4 %Umsatzrendite vor Steuern: was von 100 Euro Umsatz bleibt

5,9 %Gesamtkapitalrendite: Gewinn und Zinsen je 100 Euro Bilanzsumme

8 Jahrebis alle Schulden aus dem Cashflow getilgt wären (Schulden abzüglich Bargeld)

Eigenkapitalquote und Umsatzrendite vor Steuern, 1997 bis 2024, in %

EigenkapitalquoteUmsatzrendite vor Steuern

0102030199720052015202419,831,03,24,4
Eigenkapitalquote: eigene Mittel in % der Bilanzsumme; Umsatzrendite: Jahresergebnis vor Gewinnsteuern in % des Umsatzes. Dieselben Unternehmen wie oben; 2024 teils geschätzt. Quelle: Deutsche Bundesbank.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Das Leben eines Unternehmens

Unternehmen haben ein eigenes Leben. Zwischen Gründung und Übergabe oder Schließung, von denen oben die Rede war, durchlaufen die meisten Phasen: Am Anfang verdienen sie noch nichts und investieren viel; im Wachstum kommen erste Gewinne, aber sie brauchen mehr Geld, als sie verdienen; in der Reife verdienen sie gut und brauchen wenig neues Kapital; im Umbruch sinken Wachstum und Preise; im Niedergang schrumpfen sie und verkaufen Teile. Eine Einbahnstraße ist das nicht: Ein reifes Unternehmen kann mit einem neuen Produkt wieder wachsen.

Wo steht ein Unternehmen in seinem Leben? Das verrät seine Kapitalflussrechnung. Sie teilt das Geld eines Jahres in drei Ströme: aus dem laufenden Geschäft, für Investitionen und von oder an die Kapitalgeber. Die Rechnungslegungsforscherin Victoria Dickinson hat 2011 gezeigt, dass schon die Vorzeichen der drei Ströme die Phase verraten. Die Grafik begleitet ein Unternehmen durch seine Phasen: Wählen Sie eine Phase, oder gehen Sie mit „Weiter“ von Phase zu Phase.

Ein Unternehmen durch sein Leben: was in jeder Phase zählt

UmsatzGewinn Gewinnschwelle

Start-up

Umsatzwachstum
kaum Umsatz
Operative Marge
stark negativ
Free Cashflow
stark negativ

Beispiel: SSI (öffnet in neuem Tab). Safe Superintelligence Inc. wurde 2024 in den USA gegründet, unter anderem von Ilya Sutskever, einem Mitgründer von OpenAI. Die Firma will eine sichere Superintelligenz bauen, hat noch kein Produkt und keinen Umsatz und lebt vom Geld ihrer Investoren: ein Start-up in Reinform.

Führung

der Visionär, der andere von einer Idee überzeugt

Die Prüfung

Produkttest: Lässt sich die Idee in etwas verwandeln, das funktioniert und das jemand haben will? Schulden passen noch nicht; das Risiko tragen Eigentümer.

Geld rein (+) und raus (−) im Jahr

  • Geld rausGeschäft: das laufende Geschäft kostet mehr, als es einbringt
  • Geld rausInvestitionen: Geld geht in Maschinen, Software und Ausbau
  • Geld reinKapitalgeber: Eigentümer und Geldgeber stecken neues Geld hinein

Wer Geld gibt (Namen antippen)

· · ·

Aus der Zeitleiste: 1847: Werner Siemens und Johann Georg Halske beginnen in Berlin mit einer Telegraphen-Bauanstalt; ein Vetter leiht 6.000 Taler gegen sechs Jahre Gewinnanteil. Siemens & Halske

Schematisch: typische Phasen, keine festen Grenzen, und Unternehmen bewegen sich auch hin und zurück. Phasen und Führung nach Aswath Damodaran; Kapitalflüsse nach Victoria Dickinson (2011), grob den sechs Phasen zugeordnet; Beispiele: eigene Einordnung, Kodak als Beispiel aus der Vergangenheit. Wer Geld gibt, wie in der Grafik auf der Planungsseite.

Gründer, Familie, Freunde

Das erste Geld kommt meist von den Gründern selbst und von Menschen, die ihnen vertrauen, gegen einen Anteil oder das Versprechen, es zurückzuzahlen, oft ohne feste Regeln.

Business Angels

Erfahrene Unternehmer oder Manager, die früh mit eigenem Geld in junge Firmen einsteigen, oft mit 50.000 bis 500.000 Euro. Sie bringen auch Rat und Kontakte mit und bekommen dafür einen Anteil.

Venture Capital

Wagniskapital: Fonds, die das Geld vieler Anleger in junge, schnell wachsende Firmen stecken, Runde für Runde, gegen Anteile. Viele dieser Firmen scheitern; wenige große Erfolge sollen das ausgleichen.

Growth, Minderheiten

Wachstumskapital für Firmen, die schon Umsatz haben und schneller größer werden wollen. Der Fonds kauft einen Minderheitsanteil, die Gründer behalten die Führung.

Börse: Aktien

Mit dem Börsengang verkauft ein Unternehmen Anteile an viele Anleger. Wer eine Aktie hält, ist Miteigentümer, bekommt einen Teil des Gewinns als Dividende und kann die Aktie an jedem Börsentag verkaufen.

Buyout: Private Equity

Private-Equity-Fonds kaufen reife Unternehmen meist ganz oder mehrheitlich, oft zu einem guten Teil mit Krediten. Sie verbessern das Geschäft über einige Jahre und verkaufen dann wieder.

Distressed-Investoren

Sie kaufen Kredite oder Anleihen angeschlagener Unternehmen billig auf und setzen darauf, dass die Firma gerettet wird oder beim Abwickeln mehr herauskommt, als sie bezahlt haben.

Nachrangdarlehen, Wandelanleihen

Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital. Ein Nachrangdarlehen wird erst nach den anderen Krediten zurückgezahlt und bringt dafür mehr Zins. Eine Wandelanleihe ist eine Anleihe, die der Gläubiger später in Aktien tauschen kann.

Förderkredite, Bürgschaften

Kredite von Förderbanken des Bundes und der Länder, oft zu günstigem Zins; Bürgschaftsbanken übernehmen einen Teil des Ausfallrisikos, damit die Hausbank überhaupt Kredit gibt.

Venture Debt

Kredite für junge Firmen, die schon Wagniskapital haben. Sie verlängern die Zeit bis zur nächsten Finanzierungsrunde; dafür gibt es hohe Zinsen und oft ein kleines Recht auf Anteile.

Hausbank

Die Bank, bei der ein Unternehmen seine Konten führt. Sie gibt Kredite für Maschinen, Gebäude oder den laufenden Betrieb, meist gegen Sicherheiten.

Private Debt

Kredite, die Fonds und Versicherer direkt an Unternehmen geben, ohne Bank und ohne Börse, oft an mittelgroße Firmen oder bei einem Buyout.

Schuldschein

Ein in Deutschland verbreiteter Kredit, den eine Bank auf mehrere Anleger wie Sparkassen und Versicherer verteilt. Einfacher als eine Anleihe, aber nicht an der Börse gehandelt.

Unternehmensanleihen

Ein großes Unternehmen leiht sich Geld bei vielen Anlegern zugleich. Eine Anleihe hat einen festen Zins und einen festen Rückzahlungstag und lässt sich an der Börse handeln.

Hochzins, Leveraged Loans

Anleihen und Kredite von Unternehmen mit viel Schulden oder schwächerer Bonität, etwa nach einem Buyout. Das Ausfallrisiko ist höher, deshalb auch der Zins.

Restrukturierung

Kann ein Unternehmen seine Schulden nicht mehr tragen, verhandeln Gläubiger und Eigentümer neu: Forderungen werden gekürzt, gestundet oder in Anteile getauscht.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Wie eine Krise verläuft

Ertrags- und Finanzlage hängen aneinander: Nur wer auf Dauer genug verdient, bleibt finanziert, und nur wer solide finanziert ist, hat Zeit, etwas zu verdienen. Gerät eines ins Rutschen, folgt das andere. Eine Krise beginnt deshalb meist lange, bevor sie in den Zahlen steht.

Die erste Stufe steht in keiner der drei Rechnungen, und jede Stufe folgt schneller auf die vorige.

Stufen einer Krise, an der Bäckerei

latente Kriseakute Krise
  1. 1Strategische Krise

    in keiner Rechnung zu sehen

    Gegenüber eröffnet ein Supermarkt mit Backstation. Noch verkauft die Bäckerei 10.000 Brote im Monat; die Rechnungen zeigen nichts, der Gewinn beträgt 21.000 Euro. Jetzt ist Zeit: ein eigenes Angebot, Lieferungen an Kantinen, ein zweiter Standort.

    Zuerst merken es Mitarbeiter, Lieferanten und Stammkunden.

  2. 2Rentabilitätskrise

    in der GuV zu sehen

    Ein Jahr später sind es 8.000 Brote. Die festen Kosten bleiben: Die GuV zeigt 30.000 Euro Verlust. Weil die Abschreibungen kein Geld kosten, fließen aus dem Geschäft noch 6.000 Euro zu, doch die Tilgung von 20.000 Euro zehrt die Kasse von 24.000 auf 10.000 Euro auf.

  3. 3Liquiditätskrise

    in der Kapitalflussrechnung und an der Kasse zu sehen

    Im Jahr darauf reicht das Geld nicht mehr für die Tilgung: Es fehlen 4.000 Euro. Ohne neues Geld von Bank oder Inhabern ist die Bäckerei zahlungsunfähig; eine GmbH muss dann Insolvenz beantragen.

Erfundene Bäckerei von oben: feste Kosten 270.000 Euro im Jahr, in den schlechten Jahren keine Investition und keine Ausschüttung, im Lager und bei Kunden gebundenes Geld nicht berücksichtigt. Stufen nach Thomas Dobler (1998); eigene Darstellung.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Der Ökonom Hyman Minsky nennt das den Weg von abgesicherter zu spekulativer Finanzierung: Im guten Jahr deckt das Geld aus dem Geschäft Zins und Tilgung (60.000 gegen 26.000 Euro), in der Krise nur noch den Zins (12.000 gegen 6.000 Euro), und ohne eine Bank, die verlängert, geht es nicht weiter. Reicht es nicht einmal für den Zins, spricht er von Ponzi-Finanzierung.

Viele Geschäftsleitungen handeln erst, wenn sich die Krise zeigt, und nicht schon, solange sie latent ist. Die frühe Stufe lässt sich am billigsten ändern; sie ist zugleich die, die keine Kennzahl zeigt. Deshalb fragen Eigentümer und Kreditgeber auch nach Kunden, Wettbewerbern und Plänen, nicht nur nach der letzten Bilanz.

Die erste Stufe übersieht leicht, wer nur das Budget kontrolliert. Deshalb gehören zwei Kreise zusammen:

Wer nur das Budget prüft, sieht nicht, ob die Strategie noch stimmt.

Zwei Regelkreise, an der Bäckerei

Operativjeden Monat1 Budget2 Ist3 Abweichung4 Gegensteuern

Mehl wird teurer: Brot 10 Cent teurer.

Strategischeinmal im Jahr1 Strategie2 Was dasBudget hergibt3 Abweichung4 Strategieprüfen

Supermarkt gegenüber: Kantinen beliefern?

Nach Rudolf Mann (1995); eigene Darstellung mit der erfundenen Bäckerei.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Ein Familienvermögen lässt sich genauso führen: jeden Monat Einnahmen und Ausgaben, einmal im Jahr Vermögensbilanz und Strategie. Monat und Jahr

Wie Neues entsteht

Auch Neues beginnt, bevor es in den Zahlen steht. Der Organisationsforscher James March unterscheidet zwei Arten zu lernen: Erkunden (Neues ausprobieren) und Ausschöpfen (Bewährtes verfeinern). Ausschöpfen bringt sicheren Ertrag bald, Erkunden unsicheren Ertrag später.

Bei Neuem zeigen die Rechnungen zuerst nur die Kosten, den Nutzen erst später.

Stufen einer Neuerung, an der Bäckerei

ErkundenAusschöpfen
  1. 1Ausprobieren

    in der GuV nur als Kosten

    Bisher verdient die Bäckerei 30.000 Euro vor Steuern. Drei Kantinen zur Probe zu beliefern kostet 12.000 Euro und bringt 3.000 Euro: Der Gewinn sinkt auf 21.000 Euro.

  2. 2Durchsetzen

    in der GuV als Umsatz und Gewinn

    Zwei Kantinen bestellen fest, 3.000 Brote im Monat zu 3 Euro. Nach allen Kosten sind das 30.000 Euro mehr: Der Gewinn steigt von 30.000 auf 60.000 Euro.

  3. 3Verfeinern

    in Bilanz und Kasse

    Feste Touren, Mehl 10 Cent billiger: knapp 16.000 Euro mehr, der Gewinn steigt auf gut 75.000 Euro. Zeit, das Nächste zu erkunden.

Erfundene Bäckerei von oben: Kantinen zahlen 3 Euro je Brot, Mehl, Strom und Verpackung kosten 1,50 Euro; Gewinn vor Steuern, keine Ausschüttung; Kurve schematisch. Erkunden und Ausschöpfen nach James March (1991); eigene Darstellung.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Weil Ausschöpfen sich sofort auszahlt, verdrängt es leicht das Erkunden; March nennt das kurzfristig wirksam und langfristig selbstzerstörerisch. Am billigsten erkundet, wer es tut, solange das alte Geschäft noch trägt.

Was Unternehmen offenlegen

Größenklassen, was öffentlich wird, Börse, echte Beispiele

Jede GmbH, AG und GmbH & Co. KG muss ihren Jahresabschluss veröffentlichen, spätestens zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag. Seit August 2022 geht er an das Unternehmensregister, wo jeder ihn kostenlos lesen kann. Wie viel ein Unternehmen zeigen muss, hängt von seiner Größe ab. Drei Merkmale zählen; in eine Klasse gehört, wer an zwei Stichtagen hintereinander zwei ihrer drei Grenzen nicht überschreitet.

Was öffentlich wird, nach Größe des Unternehmens

  1. Kleinst

    • Bilanzsummebis 450.000 €
    • Umsatzbis 900.000 €
    • Beschäftigtebis 10
    • Bilanz nur hinterlegt: ja
    • Gewinn- und Verlustrechnung: nein
    • Lagebericht: nein
    • Geprüft: nein

    Zum Beispiel

    • Die erfundene Bäckerei von oben: 480.000 € Umsatz, 264.000 € Bilanzsumme
  2. Klein

    • Bilanzsummebis 7,5 Mio. €
    • Umsatzbis 15 Mio. €
    • Beschäftigtebis 50
    • Bilanz: ja
    • Gewinn- und Verlustrechnung: nein
    • Lagebericht: nein
    • Geprüft: nein

    Zum Beispiel

    • Dieselbe Bäckerei mit fünf Filialen: 2,4 Mio. € Umsatz (erfunden)
  3. Mittelgroß

    • Bilanzsummebis 25 Mio. €
    • Umsatzbis 50 Mio. €
    • Beschäftigtebis 250
    • Bilanz: ja
    • Gewinn- und Verlustrechnung Umsatz darf fehlen: ja
    • Lagebericht: ja
    • Geprüft: ja

    Zum Beispiel

    • Ecosia GmbH, Suchmaschine, Berlin: 40,9 Mio. € Umsatz 2024, rund 100 Beschäftigte
  4. Groß

    • Bilanzsummeüber 25 Mio. €
    • Umsatzüber 50 Mio. €
    • Beschäftigteüber 250
    • Bilanz: ja
    • Gewinn- und Verlustrechnung: ja
    • Lagebericht: ja
    • Geprüft: ja

    Zum Beispiel

    • URSAPHARM-Konzern, Augenmittel, Saarbrücken: 379 Mio. € Umsatz 2024, rund 1.200 Beschäftigte
    • dm-drogerie markt GmbH + Co. KG: 13,3 Mrd. € Umsatz in Deutschland 2024/25, mehr als 63.600 Beschäftigte dort
    • Bosch-Gruppe: 91 Mrd. € Umsatz 2025, 413.000 Beschäftigte

Börsennotiert

Immer groß: Jahresfinanzbericht mit allen Teilen, geprüft, spätestens vier Monate nach dem Geschäftsjahr. Dazu kommen:

  • Halbjahr Halbjahresfinanzbericht, spätestens nach drei Monaten
  • Quartal Mitteilungen zum ersten und dritten Quartal, auf Deutsch und Englisch, im Prime Standard der Frankfurter Börse; nur dort notierte Aktien kommen in DAX, MDAX, SDAX und TecDAX
  • Ad hoc Neuigkeiten, die den Kurs erheblich bewegen können, so bald wie möglich

Zum Beispiel

  • Siemens AG (DAX): 78,9 Mrd. € Umsatz im Geschäftsjahr bis September 2025, rund 318.000 Beschäftigte
  • Hugo Boss AG (SDAX): 4,3 Mrd. € Umsatz 2025, mehr als 17.500 Beschäftigte (in Vollzeit gerechnet)
Grenzen für Geschäftsjahre ab 2024 (§§ 267, 267a HGB); in eine Klasse gehört, wer an zwei Stichtagen hintereinander zwei der drei Grenzen nicht überschreitet. Eine hinterlegte Bilanz gibt es nur auf Antrag. Umsatz und Beschäftigte nach Angaben der Unternehmen; Ecosia nach dem Jahresabschluss 2024 im Lobbyregister des Bundestags, URSAPHARM nach dem Konzernabschluss 2024 im Unternehmensregister. Die Beispiele in den vier Klassen sind nicht börsennotiert; Siemens und Hugo Boss nach ihren Geschäftsberichten. Börsennotierte Unternehmen: §§ 114, 115 WpHG, Börsenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse, Art. 17 Marktmissbrauchsverordnung; Indexzugehörigkeit nach STOXX, Stand November 2026. Eigene Darstellung.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Deshalb weiß man über viele Mittelständler wenig: Ein mittelgroßes Unternehmen darf seine Gewinn- und Verlustrechnung mit dem Rohergebnis beginnen und so den Umsatz verbergen, ein kleines zeigt gar keine. Mittelstand heißt dabei nicht mittelgroß: URSAPHARM nennt sich im eigenen Lagebericht einen mittelständischen Konzern und ist nach dem Gesetz groß.

Eine OHG, eine KG mit einem Menschen als Vollhafter oder ein Einzelkaufmann muss erst veröffentlichen, wenn sie sehr groß ist: nach dem Publizitätsgesetz, wenn zwei von drei Grenzen überschritten sind, 65 Millionen Euro Bilanzsumme, 130 Millionen Euro Umsatz und 5.000 Beschäftigte, drei Jahre hintereinander. Wer zu spät veröffentlicht, bekommt vom Bundesamt für Justiz ein Ordnungsgeld von 2.500 bis 25.000 Euro, und zwar so lange, bis der Abschluss vorliegt.

Was Unternehmen außerdem leisten

Ausbildung, Forschung, Export

1,21 Mio.Auszubildende in dualer Ausbildung Ende 2025

92,5 Mrd. €gaben Unternehmen 2024 für eigene Forschung und Entwicklung aus

1.563 Mrd. €Warenexporte aus Deutschland 2025

Ausbildung: Ende 2025 lernten rund 1.207.900 junge Menschen in einer dualen Berufsausbildung, im Betrieb und in der Berufsschule; 461.800 hatten 2025 neu angefangen. 40.700 aller Auszubildenden bildete der öffentliche Dienst aus, alle übrigen Industrie und Handel, Handwerk, freie Berufe, Landwirtschaft und Hauswirtschaft.

Forschung: Unternehmen gaben 2024 92,5 Milliarden Euro für eigene Forschung und Entwicklung aus, 2,14 % der Wirtschaftsleistung. Alle Forschung in Deutschland zusammen kam auf 3,17 %; gut zwei Drittel davon leisten also die Unternehmen. In ihrer Forschung arbeiteten umgerechnet 554.101 Vollzeitkräfte.

Export: 2025 wurden aus Deutschland Waren im Wert von 1.563 Milliarden Euro exportiert, 0,9 % mehr als 2024. Wichtigster Abnehmer waren die Vereinigten Staaten mit 146,2 Milliarden Euro.

Wie Steuern in die Kasse kommen

Steuereinnahmen 2025

2025 nahmen Bund, Länder und Gemeinden zusammen 989,8 Milliarden Euro an Steuern ein. Am meisten brachten die Umsatzsteuer mit 310,2 und die Lohnsteuer mit 262,7 Milliarden Euro, zusammen 58 %.

Steuereinnahmen 2025, in Milliarden Euro

Umsatzsteuer (mit Einfuhrumsatzsteuer)310,2
Lohnsteuer262,7
Gewerbesteuer76,4
Energiesteuer37,6
Alle übrigen Steuern302,9
Kassenmäßige Einnahmen vor der Verteilung auf Bund, Länder und Gemeinden. Alle übrigen Steuern: Differenz zur Summe von 989,8 Milliarden Euro. Quelle: Statistisches Bundesamt, 17.4.2026.

Grafik: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Beide Steuern überweisen Unternehmen an das Finanzamt. Die Lohnsteuer behält der Arbeitgeber vom Lohn ein, bevor er ihn auszahlt, und haftet dafür. Die Umsatzsteuer kommt auf den Preis; das Unternehmen schuldet sie und führt sie ab, abzüglich der Umsatzsteuer, die es selbst an Lieferanten gezahlt hat (Vorsteuer). Das Geld stammt aus dem Lohn der Beschäftigten und von den Kunden, die Arbeit damit machen die Unternehmen.

Die Gewerbesteuer zahlen Gewerbebetriebe an ihre Gemeinde; Grundlage ist im Wesentlichen der Gewinn. Mit 76,4 Milliarden Euro war sie 2025 die größte Gemeindesteuer. Die größte reine Bundessteuer war die Energiesteuer auf Kraft- und Heizstoffe mit 37,6 Milliarden Euro. In den übrigen 302,9 Milliarden stecken unter anderem die Steuer auf die Gewinne von Kapitalgesellschaften (Körperschaftsteuer), die Einkommensteuer, die Selbstständige, Personengesellschaften und viele andere nach ihrer Steuererklärung zahlen, und die Steuern auf Zinsen und Dividenden.

Wer eine Steuer überweist, trägt sie nicht unbedingt. Wer sie am Ende trägt, hängt davon ab, wie leicht Kunden, Beschäftigte und Unternehmen ausweichen können; die Finanzwissenschaft nennt das Steuerinzidenz.

Kammern und Verbände

Wer für die Wirtschaft spricht

Gewerbebetriebe gehören per Gesetz einer der 79 Industrie- und Handelskammern (IHK) an, Handwerksbetriebe einer der 53 Handwerkskammern. Kammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie vertreten das Gesamtinteresse ihrer Mitglieder und nehmen öffentliche Aufgaben wahr, etwa die Prüfungen in der Berufsausbildung. Ihre Dachorganisation ist die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), die nach eigenen Angaben für mehr als drei Millionen Unternehmen spricht; für die Handwerkskammern ist es der Deutsche Handwerkskammertag. Zum Handwerk zählten 2025 gut eine Million Betriebe mit 346.388 Lehrlingen.

Verbände sind dagegen freiwillig, meist eingetragene Vereine. Wirtschaftsverbände vertreten eine Branche gegenüber Politik und Öffentlichkeit, Arbeitgeberverbände verhandeln mit den Gewerkschaften die Tarifverträge. Oft treten vier Spitzenorganisationen gemeinsam auf: der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), die DIHK und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), der Dachverband von 53 Handwerkskammern und 48 Fachverbänden des Handwerks.

Wie groß Verbände sind, lässt sich am ehesten im Lobbyregister des Bundestags ablesen: Dort melden sie Mitglieder, Mitgliedsbeiträge und was sie für Interessenvertretung ausgeben. Die Tabelle zeigt große Bundesverbände wichtiger Branchen, dazu die Verbände der Fonds, der Beteiligungsgesellschaften und der Business Angels. Die höchsten Mitgliedsbeiträge meldet der Sparkassenverband DSGV, die meisten Mitglieder der Mittelstandsverband BVMW; für Interessenvertretung gibt der Versicherungsverband GDV am meisten aus.

Wirtschaftsverbände im Lobbyregister
VerbandMitgliederMitgliedsbeiträge, Mio. €Ausgaben für Interessenvertretung, Mio. €
DSGV (öffnet in neuem Tab)Deutscher Sparkassen- und Giroverband · Sparkassen und Landesbanken43248,92,9
VDMA (öffnet in neuem Tab)Maschinen- und Anlagenbau3.65981,34,3
GDV (öffnet in neuem Tab)Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft · Versicherer45869,015,8
BVR (öffnet in neuem Tab)Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken · Genossenschaftsbanken68958,02,7
VCI (öffnet in neuem Tab)Verband der Chemischen Industrie · Chemie- und Pharmaunternehmen2.11047,39,4
BDEW (öffnet in neuem Tab)Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft · Energie- und Wasserwirtschaft2.13737,09,9
Bankenverband (öffnet in neuem Tab)Bundesverband deutscher Banken · private Banken18330,75,2
ZVEI (öffnet in neuem Tab)Elektro- und Digitalindustrie1.08727,45,7
vfa (öffnet in neuem Tab)Verband Forschender Arzneimittelhersteller · forschende Pharmaunternehmen4826,85,7
VKU (öffnet in neuem Tab)Verband kommunaler Unternehmen · Stadtwerke und andere kommunale Unternehmen1.60526,48,9
BDI (öffnet in neuem Tab)Bundesverband der Deutschen Industrie · Industrie, über ihre Branchenverbände3225,29,6
BVMW (öffnet in neuem Tab)Der Mittelstand, BVMW · mittelständische Unternehmen28.09020,61,3
Bitkom (öffnet in neuem Tab)Digitalwirtschaft2.21815,85,2
VDA (öffnet in neuem Tab)Verband der Automobilindustrie · Autohersteller und Zulieferer62015,210,3
BVI (öffnet in neuem Tab)BVI Bundesverband Investment und Asset Management · Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter11311,92,7
Bauindustrie (öffnet in neuem Tab)Hauptverband der Deutschen Bauindustrie · Bauunternehmen, über Landesverbände1810,42,1
Die Familienunternehmer (öffnet in neuem Tab)Die Familienunternehmer – Die Jungen Unternehmer · Inhaber von Familienunternehmen6.4008,42,1
HDE (öffnet in neuem Tab)Handelsverband Deutschland · Einzelhandel667,81,2
Bauernverband (öffnet in neuem Tab)Deutscher Bauernverband · Landwirte, über Landesbauernverbände207,14,5
ZDH (öffnet in neuem Tab)Zentralverband des Deutschen Handwerks · Handwerk: Kammern und Fachverbände1146,11,6
DEHOGA (öffnet in neuem Tab)Deutscher Hotellerie- und Gastronomieverband · Hotels und Gaststätten253,01,0
BGA (öffnet in neuem Tab)Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen · Groß- und Außenhandel582,40,7
BVK (öffnet in neuem Tab)Bundesverband Beteiligungskapital · Beteiligungs- und Wagniskapitalgeber3062,00,2
BAND (öffnet in neuem Tab)Business Angels Deutschland · Business Angels, also Privatleute, die eigenes Geld in junge Unternehmen stecken, und ihre Netzwerke5380,2< 0,1

Selbstangaben der Verbände im Lobbyregister des Deutschen Bundestags für das letzte abgeschlossene Geschäftsjahr, abgerufen am 6. und 7.11.2026; das Register nennt Beträge in Stufen von 10.000 Euro, gezeigt ist die Obergrenze. Mitglieder sind je nach Verband Unternehmen, Landes- und Fachverbände oder Personen, und was ein Verband aus seinen Beiträgen bezahlt, ist unterschiedlich; die Zahlen sind daher nur grob vergleichbar. Die Einflussnahme von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften auf Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen ist von der Pflicht zur Eintragung ausgenommen; BDA, Gesamtmetall und DIHK standen nicht im Register. Auswahl: Spitzenorganisationen, je Branche ein großer Bundesverband und die Verbände derer, die Unternehmen Kapital geben, sortiert nach Mitgliedsbeiträgen.

Tabelle: Dr. Benjamin Moritz, benjaminmoritz.de/unternehmertum/

Quellen