Benjamin Moritz English

Ordnen, planen, vorausschauen

Lebens- und Finanzplanung

„Erst die Ziele, dann die Zahlen.“

Wie wird aus Lebenszielen ein Plan, der ein Leben lang trägt? Erst ordnen, dann Ziele setzen und vorausschauen, dann anlegen, Schritt für Schritt.

Der Weg

Vom Ordnen bis zum Portfolio

  1. OrdnenWas da ist, was man schuldet, was hereinkommt und was hinausgeht.
  2. ZieleWer mitentscheidet, wofür, bis wann, was es kostet und ob es reicht.4 Projekte
  3. VerstehenWie Anlagen funktionieren und was die Märkte bewegt, in Alltagssprache.7 Projekte
  4. StrategieBandbreiten statt Prognosen, tausendfach durchgerechnet, in Krisen geprüft.22 Projekte
  5. UmsetzungPassende Fonds und Verwalter, auch private Märkte, mit Blick auf die Kosten und mit Liquiditätsplan.4 Projekte
  6. ÜberprüfungRegeln, die in der Krise tragen, Geduld und ein fester Blick einmal im Jahr.2 Projekte

Kapitel 1 von 6

Ordnen

Was da ist, was man schuldet, was hereinkommt und was hinausgeht.

Die Zahlen auf dieser Seite sind Beispiele, keine Prognose und keine Anlageberatung.

Erst einmal ordnen

Am Anfang steht keine Anlage, sondern eine Liste: Was ist da, was schuldet man, was kommt herein und was geht hinaus? Viele wissen das nur ungefähr. Konten bei drei Banken, ein altes Depot, Verträge zur Altersvorsorge, eine Wohnung mit Kredit: Erst wenn alles auf einem Blatt steht, sieht man, worüber man eigentlich entscheidet.

Alles auf einem Blatt

Giro- und Tagesgeldkonto40.000 €
Wertpapierdepot150.000 €
Eigene Wohnung450.000 €
Verträge zur Altersvorsorge90.000 €
Kredit für die Wohnung−220.000 €
Reinvermögen510.000 €

kurzfristig verfügbargebundenSchulden

Davon kurzfristig verfügbar: 190.000 €

Beispielhaushalt, runde Zahlen. Reinvermögen ist alles zusammen minus die Schulden. Was in einer Wohnung oder einem Vertrag steckt, zählt mit, bezahlt aber nicht die Rechnung von morgen.

Wichtig ist nicht nur die Summe, sondern wie schnell man an das Geld kommt. In einer Wohnung oder einem Vertrag steckt Vermögen, aber bezahlen kann man damit nicht. Deshalb trennt die Liste, was kurzfristig verfügbar ist und was gebunden ist.

Dazu gehört ein Blick in jedes Depot: wie es aufgeteilt ist, was es kostet und was es in den letzten Jahren gebracht hat. Oft stecken in mehreren Depots dieselben Aktien, und die Kosten summieren sich unbemerkt.

Einnahmen, Ausgaben, Budget

Danach kommt der Monat: Was kommt herein, wohin geht es? Wer ein paar Monate mitschreibt oder die Kontoauszüge sortiert, ist oft überrascht. Ein Budget ist keine Sparvorschrift, sondern eine Entscheidung im Voraus: so viel für das Wohnen, so viel für den Alltag, so viel für den Urlaub, und so viel wird zurückgelegt, bevor der Rest ausgegeben wird.

Wohin das Geld eines Monats geht

Netto 6.000 € im Monat: Gehälter 5.500 €, Kindergeld 500 €

Sparquote: 15 %. Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben: 15.300 € bis 30.600 €.

Beispielhaushalt mit zwei Kindern, runde Zahlen. Gespart wird zuerst, nicht aus dem, was übrig bleibt.

Zuerst kommt ein Polster für Unvorhergesehenes, der : drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto. Erst was darüber hinausgeht, wird für längere Zeit angelegt.

Kapitel 2 von 6

Ziele

Wer mitentscheidet, wofür, bis wann, was es kostet und ob es reicht.

Alle an einen Tisch

Ein Familienvermögen gehört selten einer Person. Am Tisch sitzen oft zwei oder drei Generationen mit verschiedener Erfahrung, Geschwister mit verschiedenen Plänen und häufig ein Unternehmer, der gewohnt ist, schnell und allein zu entscheiden. Bevor es um Anlagen geht, müssen alle verstehen, worum es geht, und sich auf einen Weg einigen.

Wer entscheidet, hängt von der Familie ab. Viele Familien legen einmal Ziele und Grenzen fest und geben den Rest aus der Hand: In diesem Rahmen wird das Vermögen danach laufend gesteuert. Familien mit großen Vermögen wollen oft jeden Schritt selbst entscheiden. Dann hilft eine Moderation: jemand, der die Fragen stellt, über die in Familien selten gesprochen wird, Fachbegriffe in Alltagssprache übersetzt und festhält, worauf man sich geeinigt hat.

Moderieren lernt man. Ich habe mich dafür über Jahre geschult, mit Kommunikationscoaches und in Seminaren, und ich habe Achtsamkeit gelernt. Dazu mache ich seit Jahren Yoga. Das hilft mir, wirklich zuzuhören und ruhig zu bleiben, wenn es am Tisch hoch hergeht.

Vetos, und wer worüber entscheidet

Werte werden dabei selten als Werte ausgesprochen, sondern als Veto: „Das machen wir nicht.“ Ergiebiger als die Frage nach Werten ist deshalb die Frage: Gibt es etwas, das für Sie grundsätzlich nicht infrage kommt, egal was es bringen würde? Jedes Veto gehört aufgeschrieben, mit Begründung. Bleibt es unausgesprochen, taucht es in jeder einzelnen Entscheidung wieder auf.

Wie Werte in Familien auftreten
Herkunfterscheint alswie es klingt
Prinzipien aus dem UnternehmenRisikohaltung„Wir machen keine Schulden.“ „Wir investieren nur in das, was wir verstehen.“ „Wir geben keine Kontrolle ab.“
Bezug zur Herkunftethischer Ausschlussnicht gegen die eigene Welt investieren, etwa in Fonds, die Mittelständler mit Krediten kaufen und umbauen
FairnessVerteilungsregelGeschwister oder Stämme gleich behandeln, auch wo es steuerlich ungünstig ist
DiskretionRegel für Sichtbarkeitnichts, was mit dem Familiennamen in der Zeitung stehen könnte

Eigene Einordnung aus der Praxis.

Hilfreich ist eine klare Ordnung, wer worüber entscheidet. Einstimmigkeit klingt nach Harmonie, gibt aber jedem ein Vetorecht; besser ist es, vorher festzulegen, wofür welche Mehrheit gilt.

Drei Ebenen der Entscheidung
Ebeneentscheidet überwie oftwer dort sitzt
Familie oder GesellschafterkreisZweck, Werte, Rangfolge der Töpfe, Entnahmen, Änderung der Regelnein- bis zweimal im Jahralle Eigentümer, die nächste Generation mit wachsender Stimme
AnlageausschussQuoten innerhalb der Regeln, Auswahl von Verwaltern und Fonds, größere Einzelentscheidungenvierteljährlich und bei Bedarfzwei bis drei Familienmitglieder, ein bis zwei unabhängige Fachleute
VerwaltungUmsetzung, Handel, Berichte, Überwachung der GrenzenlaufendFamily Office, Vermögensverwalter, Banken

Größe und Zuschnitt hängen vom Vermögen und von der Zahl der Eigentümer ab.

Erst die Ziele

Ein Vermögen hat mehr als eine Aufgabe. Ein Teil muss jederzeit verfügbar sein, ein Teil soll die Kaufkraft für die nächste Generation erhalten, ein Teil darf unternehmerisch arbeiten, und manches soll etwas bewegen, das über die Familie hinausgeht. Deshalb wird das Vermögen nach Zwecken geordnet: in Töpfe mit eigenem Horizont, eigenen Anlagen und eigenem Maßstab für Erfolg.

  • Sicherheit

    Zweck
    was nie passieren darf; der Lebensstandard über Jahre
    Anlagen
    Liquidität, Anleihen hoher Qualität
    Maßstab
    ob er in jeder Krise reicht
  • Erhalt und Wachstum

    Zweck
    Kaufkraft für die nächste Generation
    Anlagen
    breit gestreute Aktien und Anleihen, Immobilien, private Märkte
    Maßstab
    Ertrag nach Inflation über Jahrzehnte
  • Unternehmerisch

    Zweck
    weiter unternehmerisch wirken
    Anlagen
    Beteiligungen, Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds, das eigene Unternehmen
    Maßstab
    Erfolg über einen ganzen Fondszyklus
  • Wirkung

    Zweck
    etwas bewegen, das über die Familie hinausgeht
    Anlagen
    Stiftung, Impact-Anlagen, Spenden
    Maßstab
    Wirkung, nicht nur Rendite
Vier Töpfe, in Anlehnung an Ashvin Chhabra (2005, 2015).

Töpfe heißen nicht: hier vorsichtig, dort riskant. Wer über Generationen Kaufkraft erhalten will, braucht Ertrag nach , und den liefern über solche Zeiträume vor allem Unternehmen und Immobilien. Wer „Erhalt“ mit „Vorsicht“ übersetzt, enteignet die nächste Generation langsam.

Dazu gehört die Frage, wie viel Schwankung eine Familie aushält. Das hängt nicht nur vom Gefühl ab, sondern davon, wann sie das Geld braucht: Was in zwei Jahren gebraucht wird, darf nicht schwanken; was zwanzig Jahre liegen kann, schon.

Wie groß jeder Topf ist

Der Sicherheitstopf wird zuerst bemessen. Er soll den Lebensstandard über Jahre tragen, auch wenn alle anderen Töpfe gleichzeitig verlieren. Der unternehmerische Topf ist so groß, wie die Familie verlieren kann, ohne ihr Leben zu ändern. Der Rest dient dem Erhalt.

Ziele mit Preisschild

Ziele werden greifbar, wenn sie ein Datum und einen Betrag bekommen. Aus „etwas für die Kinder zurücklegen“ wird „ab 2034 zweimal 40.000 Euro für das Studium“. Dann sieht man auch, welche Ziele sich im Weg stehen und welches zuerst kommt.

Ziele mit Preisschild
ZielWannWie vielWo es liegt
Notgroschensofort, immer20.000 €Tagesgeld
Neues Dachin 3 Jahren60.000 €kurze Anleihen, Tagesgeld
Studium der Kinderin 8 bis 12 Jahren2 × 40.000 €gemischt, zum Termin hin sicherer
Ruhestandab 6540.000 € im Jahr zusätzlich zur Rentevor allem Aktien, über Jahrzehnte
Etwas für die Enkelspäteroffenwas übrig bleibt, langfristig angelegt

Beispielfamilie, in heutigem Geld. Die rechte Spalte nennt den Topf aus dem Schritt „Erst die Ziele“.

Vorausschauen: Reicht es?

Mit Liste, Budget und Zielen lässt sich das Leben in Zahlen vorausrechnen: Wie wächst das Vermögen, solange man spart, und wie lange reicht es, wenn man im Ruhestand davon lebt? Die Rechnung ist einfach, aber sie beantwortet die Frage, die viele umtreibt.

Reicht es bis 90?

0 €1,5 Mio.
0 €60 Tsd.
0 €120 Tsd.
0 %5 %
5570
0250 Tsd.500 Tsd.750 Tsd.1 Mio.Ruhestand45505560657075808590 Alter
Das Geld reicht
über 90 hinaus
Mit 90 bleiben
48.080 €
Heute 45 Jahre alt. In heutigem Geld, also nach Inflation, mit gleicher Rendite in jedem Jahr; die Entnahme ist, was zusätzlich zur Rente aus dem Vermögen kommen muss. Eine Skizze, keine Prognose: Renditen schwanken von Jahr zu Jahr, und ein Plan wird jedes Jahr neu gerechnet.

Renditen kommen nicht gleichmäßig. Wie stark sie schwanken und was ein Plan aushalten muss, zeigen die Simulation und die Stresstests im Kapitel „Strategie“.

Kapitel 3 von 6

Verstehen

Wie Anlagen funktionieren und was die Märkte bewegt, in Alltagssprache.

Die Bausteine

Warum man Geld anlegt

Wer mehr verdient, als er ausgibt, legt den Rest zurück: für schlechte Zeiten, für das Alter, für die Kinder, für ein Haus oder einen Traum. Liegt das Geld nur herum, verliert es jedes Jahr an Wert, weil die Preise steigen. Bei zwei Prozent Inflation kauft ein Euro nach zwanzig Jahren nur noch so viel wie heute 67 Cent.

Was aus 100 Euro wird

150
Im Sparstrumpf67 €
Stabile Anlagen120 €
Chancenreiche Anlagen210 €

Der Abstand wächst mit jedem Jahr, weil auch die Erträge wieder Erträge bringen: der .

Gestrichelt: die 100 Euro von heute. Kaufkraft nach Inflation, auf dem mittleren Weg. Sparstrumpf: 2 % Inflation, kein Zins. Stabile und chancenreiche Anlagen: die Annahmen der Simulation im Kapitel „Strategie“. Chancenreiche Anlagen schwanken von Jahr zu Jahr stark; wie stark, zeigt die Simulation. Illustration, keine Prognose.

Anlegen heißt deshalb: das Geld jemandem geben, der damit arbeitet, und dafür etwas zurückbekommen. Dabei geht es fast nie nur ums Geld. Menschen legen an, um ruhig zu schlafen, um etwas gemeinsam zu halten, um mitzubestimmen oder um etwas Gutes zu bewirken. Jedes dieser Motive hat seinen Preis.

Was Anleger außer Rendite suchen
Was Anleger außer Rendite suchen
Motivwas man suchttypische Anlagenwas es kosten kann
Sicherheit und Ruhegut schlafenBargeld, Gold, ein schuldenfreies Hausentgangener Ertrag
Familie und Zusammenhaltetwas gemeinsam halten und weitergebenFamilienholding, gemeinsame Immobilien, Familienunternehmenweniger Streuung, schwerer Ausstieg
Kontrolle und Einflussmitbestimmen, gestaltenMehrheitsbeteiligungen, das eigene UnternehmenAufschlag beim Kauf, Klumpenrisiko
Heimat und NäheRegion oder Branche stärken, Vertrautes besitzenregionale Beteiligungen, heimische AktienKlumpenrisiko
Wirkung und Werteetwas Gutes bewirken, nichts Schädliches finanzierenImpact-Fonds, Ausschlüsse, StiftungRendite, höhere Gebühren
Ansehen und Zugehörigkeitzeigen, wer man ist; dazugehörenexklusive Fonds, Kunst, Sitze in Gremienhöhere Kosten, niedrigere Rendite
Freude und LeidenschaftSpaß an der SacheKunst, Wein, Oldtimer, Start-upsniedrigere Rendite, laufende Kosten

Eigene Ordnung in Anlehnung an Meir Statman (2011): Eine Anlage stiftet praktischen, ausdrückenden und gefühlten Nutzen.

Wohin das Geld fließt

Im Kern gibt es nur wenige Wege. Man kann das Geld einem Unternehmen geben, als oder als . Man kann es in Immobilien stecken, die Miete bringen. Man kann es einem Staat leihen, der damit Straßen, Schulen und Renten bezahlt. Oder man bewahrt es nur auf, etwa als Gold. Über Banken fließt außerdem viel Geld an private Haushalte, die damit Wohnungen kaufen.

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar: eine Bäckerei, in die man auf vier Wegen je 10.000 Euro stecken kann. Als Mitinhaber bekommt man einen Teil des Gewinns, in guten Jahren viel, in schlechten nichts. Als Kreditgeber bekommt man jedes Jahr den vereinbarten Zins, egal wie das Jahr läuft, aber nicht mehr. Als Vermieter des Ladens bekommt man Miete, und der Laden bleibt einem, auch wenn die Bäckerei aufgibt. Gold im Tresor bringt nichts, ist aber von der Bäckerei unabhängig.

Vier Wege in dieselbe Bäckerei

Mitinhaber

wie bei Aktien

700 € im Jahr

Ein Teil des Gewinns.

Kreditgeber

wie bei Anleihen

500 € im Jahr

Der vereinbarte Zins.

Vermieter des Ladens

wie bei Immobilien

400 € im Jahr

Die vereinbarte Miete.

Gold im Tresor

unabhängig von der Bäckerei

0 € im Jahr

Kein Ertrag.

Je 10.000 Euro, runde Zahlen, Ertrag im Jahr vor Steuern; eine Münze sind 100 Euro. Einem Staat Geld leihen funktioniert wie der Kredit: fester Zins, solange er zahlen kann.
Die Wege im Überblick
Wohin Erspartes fließt
Wohinwas mit dem Geld geschiehtwoher der Ertrag kommtBeispiele
UnternehmenMaschinen, Löhne, Forschung, ZukäufeGewinneAktien, Anleihen, Private Equity, Private Debt
Immobilien und andere SachwerteWohnungen, Büros, Netze, RechenzentrenMieten und Nutzungsentgelteeigene Wohnung, Immobilienfonds, Infrastruktur
StaatenStraßen, Schulen, Renten, Hilfe in KrisenSteuern und neue SchuldenStaatsanleihen
Private HaushalteWohnungen, Autos, AusbildungArbeitseinkommenüber Banken: Baufinanzierung, Pfandbriefe
Aufbewahrennichts, es wird nur gehaltenallein eine PreisänderungGold, Bargeld, Kunst

Vereinfacht. Das meiste Geld fließt über Banken, Fonds und Versicherer.

Ein Sparkonto ist übrigens kein Aufbewahren: Wer Geld auf die Bank bringt, leiht es ihr, und sie verleiht es weiter. Wer anlegt, sollte diese Wege verstehen: wer das Geld bekommt, was er damit tut und woher der Ertrag am Ende kommt.

Was man dafür bekommt

Wer Geld hergibt, verzichtet auf dreierlei: Er kann es heute nicht ausgeben, er kann es nicht jederzeit zurückholen, und er weiß nicht sicher, ob alles zurückkommt. Der Ertrag einer Anlage ist der Preis für diese Verzichte.

Den größten Unterschied macht die Frage, ob man Gläubiger ist oder Eigentümer. Dem Gläubiger ist ein Betrag versprochen, dem Eigentümer nur, was übrig bleibt. Das kann viel sein oder nichts. Dafür wurden Eigentümer über lange Zeit deutlich besser bezahlt, aber nicht in jedem Jahrzehnt.

Rendite im Jahr nach Inflation, 1900 bis 2025

Aktien6,6 %
Anleihen1,6 %
Gold1,3 %
Weltweit, in US-Dollar, nach Inflation. Quelle: Dimson, Marsh und Staunton, UBS Global Investment Returns Yearbook 2026. Vergangene Renditen sind keine Zusage für die Zukunft.
Wofür der Ertrag bezahlt, und woher er kommt
Wofür ein Anleger bezahlt wird
BestandteilwofürBeispiel
Inflationsausgleichdass das Geld später weniger kauftjede Anleihe, deren Zins über der Teuerung liegen soll
Zeitheute auf Konsum zu verzichtenBundesanleihe
Ausfallrisikodas Geld vielleicht nicht zurückzubekommenHochzinsanleihe, Private Debt
Unsicherheitnur Anspruch auf das zu haben, was übrig bleibtAktie, Beteiligung
Bindungdas Geld lange nicht verkaufen zu könnenPrivate-Equity-Fonds
Arbeit und Kontrolleauswählen, begleiten, mitentscheidenUnternehmerfamilie, Buyout, Venture Capital

Die letzte Zeile ist streng genommen Lohn für Arbeit, in der Praxis aber selten davon zu trennen.

Am Ende kommt jeder Ertrag aus einer von drei Quellen: aus den Gewinnen von Unternehmen, aus Steuern oder aus Arbeitseinkommen. Wer Gold oder Bargeld hält, bekommt aus keiner davon etwas; er gewinnt nur, wenn später jemand mehr dafür bezahlt.

Unternehmen verstehen

Nehmen wir einen kleinen Betrieb, der eine neue Maschine für 80.000 Euro braucht. Der Inhaber hat drei Möglichkeiten. Er bezahlt sie aus dem Gewinn der letzten Jahre. Er leiht sich das Geld bei der Bank und zahlt jeden Monat Zins und Tilgung, ob das Jahr gut läuft oder schlecht. Oder er nimmt einen Partner auf, der mit einsteigt: Der bekommt keine feste Rate, aber einen Anteil am Gewinn und ein Wort bei wichtigen Entscheidungen.

Bank oder Partner: Wer bekommt was?

VerlustRekord
Die Bank bekommt4.800 €
Der Partner bekommt8.000 €

Für den Betrieb bleiben: mit Kredit 35.200 €, mit Partner 32.000 €. Je besser das Jahr, desto teurer der Partner: Die Bank bekommt nie mehr als ihren Zins.

Maschine für 80.000 Euro. Kredit zu 6 % Zins im Jahr, Tilgung nicht gezeigt. Der Partner zahlt 80.000 Euro für 20 % am Betrieb und bekommt 20 % vom Gewinn. Gewinn vor Zinsen. Vereinfacht.

Genau so finanzieren sich alle Unternehmen, vom Handwerksbetrieb bis zum Weltkonzern. Bei großen Unternehmen heißt der Kredit und der Partner . Wird das an der gehandelt, spricht man von börsennotierten Märkten. Geschieht dasselbe ohne Börse, direkt zwischen Unternehmen und Fonds, heißt es (Beteiligung) und (Kredit).

Wer wann Geld gibt
Eigentümer oder Gläubiger
EigentümerGläubiger
Wie man es wirdAktie, Private Equity, Venture Capital, eigener BetriebAnleihe, Bankkredit, Private Debt, Sparkonto
Was man bekommteinen Anteil am Gewinn, keinen festen Betragfesten Zins und die Rückzahlung
Wenn es gut läuftder Ertrag wächst mites bleibt beim Zins
Wenn es schlecht läuftwird zuletzt bedient und kann alles verlierenwird zuerst bedient
MitspracheStimmrechtVertrag und Auflagen

Welcher Kapitalgeber passt, hängt davon ab, wo ein Unternehmen in seinem Leben steht. Ein junges Unternehmen verdient noch nichts und bekommt kaum Kredit; es braucht Eigentümer, die Verluste aushalten. Ein reifes Unternehmen hat einen planbaren Cashflow und kann sich günstig Geld leihen.

Wer ein Unternehmen in welcher Phase finanziert
PhaseEigenkapital vonFremdkapital vonGeld zurück an die Kapitalgeber
Start-upGründern, Familie, Business Angels, Seed-FondsFörderkrediten mit öffentlicher Haftungnein
Junges WachstumVenture CapitalFörderkrediten, ersten Bankkrediten gegen Sicherheitennein
Starkes WachstumVenture Capital, Growth-FondsVenture Debt, Kreditliniennein
Reifes WachstumGrowth-Fonds, Börsengang, BuyoutBanken, Schuldschein, Anleihen, Private Debterste Dividenden
ReifeBörse, Buyout, Familie, StiftungAnleihen, Schuldschein, Leveraged Loans beim BuyoutDividenden, Aktienrückkäufe, Tilgung
NiedergangDistressed-Investoren, Gläubiger durch Tausch in AnteileRestrukturierungskrediteVerkaufserlöse, Abwicklung

Vereinfacht; im Einzelfall auch anders.

Immobilien verstehen

Eine Immobilie bringt Miete, und ihr Wert folgt auf lange Sicht dem, was Mieter zahlen können und was Bauen kostet. Beim Kauf zählen Lage, Zustand und Preis, danach Verwaltung, Instandhaltung und der Zins des Kredits. Wer selbst kauft, hat volle Kontrolle und viel Arbeit. Wer über einen Fonds oder eine Aktie anlegt, gibt die Arbeit ab und bekommt dafür andere Fragen: Wie komme ich wieder heraus? Wie viel Kredit steckt darin? Was kostet es?

Direkt oder über einen Fonds?
Wege in die Immobilie
AnlageformabAusstiegSchwankung, die man siehtMitsprache
Eigene WohnungZehntausende Euro EigenkapitalVerkauf in Monaten, mit Kostenkaumvoll
Offener ImmobilienfondsSparplan ab 25 bis 50 €frühestens nach 24 Monaten, mit 12 Monaten Kündigungsfrist; sonst über die Börse mit Abschlaggering, geglättetkeine
Immobilienaktie, REIT, ETFeine Aktie oder ein ETF-Sparplantäglich zum Börsenkurshochkeine
Geschlossener Fondsmeist 5.000 bis 10.000 €erst zum Laufzeitende, oft nach 10 bis 15 Jahrenkaumkaum
Club Dealmeist 200.000 €erst beim Verkauf des Projektskeine bis zum ErgebnisMitsprache
Crowd-Darlehenab 100 bis 500 €erst zum Laufzeitende, meist nach 1 bis 3 Jahrenkeine bis zum Ausfallkeine
Pfandbrief, Pfandbrief-ETFein ETF-AnteilETF täglichgeringkeine

Richtwerte für Deutschland, Stand Herbst 2026.

Indirekte Anlagen ersetzen die Prüfung nicht, sie verschieben sie: Statt Lage und Bausubstanz prüft man den Ausstieg, den Anteil der Kredite, die Kosten und die Menschen, die entscheiden. Und eine ruhige Wertentwicklung heißt nicht wenig Risiko: Offene Fonds werden von Gutachtern bewertet, nicht täglich an der Börse.

Staaten und Gold

Eine ist ein Kredit an den Staat, der den Zins aus Steuern und neuen Schulden bezahlt. Anleihen eines soliden Staats gelten als die sicherste Anlage in seiner Währung, ganz ohne Risiko sind aber auch sie nicht: Steigen die Zinsen, fällt ihr Kurs, und nach Inflation bleibt manchmal nichts. Zwischen 2014 und 2022 zahlten Anleger zeitweise sogar dafür, dem deutschen Staat Geld leihen zu dürfen.

Wenn sich die Zinsen ändern

−2+3
2 Jahre Laufzeit−2 %
10 Jahre Laufzeit−8 %
30 Jahre Laufzeit−18 %

Bei der zehnjährigen Anleihe entspricht der Kursverlust dem Zins von 3,3 Jahren.

Anleihe mit 2,5 % Zins im Jahr, Kurs gleich nach der Zinsänderung. Wer bis zum Ende hält, bekommt trotzdem den vollen Betrag zurück. Vereinfacht: Die Zinsen ändern sich für alle Laufzeiten gleich. Anfang 2022 brachten zehnjährige Bundesanleihen noch weniger als null, im Herbst 2023 fast 3 Prozent.

Gold bringt weder Zins noch Miete. Sein Ertrag ist allein die Preisänderung. Trotzdem hat es einen Platz: als Schutz für Extremfälle wie Krieg oder den Verfall einer Währung. Die Notenbanken haben von 2022 bis 2024 in jedem Jahr mehr als 1.000 Tonnen gekauft.

Alle Bausteine auf einen Blick

Die Tabelle stellt nebeneinander, woraus sich ein Vermögen zusammensetzen lässt: woher der Ertrag kommt, wie schnell man an das Geld kommt und worauf man achten sollte.

Bausteine eines Vermögens
Bausteinwoher der Ertrag kommtverfügbarworauf achten
Tagesgeld, Festgeld, GeldmarktfondsZinstäglich bis MonateEinlagensicherung je Bank begrenzt; nach Inflation oft kein Ertrag
Anleihen hoher QualitätZinstäglichverlieren, wenn die Zinsen steigen; Laufzeit am Bedarf ausrichten
Aktien weltweitGewinne und Dividendentäglichstarke Schwankungen; Konzentration in Indizes
Hochzinsanleihen, Private DebtZins und RisikoaufschlagTage bis JahreAusfälle in Rezessionen; Bewertung privater Kredite
Private Equity: Buyout, GrowthWachstum, Führung, Hebelzehn Jahre und mehrKapitalabrufe, Auswahl der Manager, Kosten
Venture Capitalwenige große Trefferzehn bis fünfzehn Jahreviele Totalverluste, Zugang zu guten Fonds
Direktbeteiligungen, Co-Investmentswie Private Equity, mit weniger GebührenJahreKlumpen; eigenes Team nötig
ImmobilienMietenMonate bis JahreZinsen, Lage, Arbeit, Klumpen
InfrastrukturNutzungsentgelteJahreRegulierung, Bewertung
HedgefondsKönnen des ManagersMonateKosten, große Unterschiede zwischen Managern
Goldnur Preisänderungtäglichkein laufender Ertrag
Kryptowährungennur Preisänderungtäglichextreme Schwankungen; eher Spekulation als Anlage
Kunst, Oldtimer, WeinPreisänderung und Freudeschwer verkäuflichKosten, Echtheit, Lagerung
Impact-Anlagen, StiftungRendite und WirkungunterschiedlichWirkung messen
Das eigene UnternehmenGewinne, Ausschüttungenkaumoft der größte Klumpen der Familie

Eigene Einordnung; Verfügbarkeit als Richtwert.

Was die Märkte bewegt

Klima und Wetter

Für Anlagen ist die Wirtschaft, was Klima und Wetter für den Garten sind. Das Wachstum ist das Klima: Auf lange Sicht wachsen die Gewinne der Unternehmen ungefähr mit der Wirtschaft, und davon leben Aktien, Beteiligungen und Mieten. Die ist das Wetter: Auf gute Jahre folgen schwächere, und die Gewinne schwanken dabei stärker als die Wirtschaft selbst.

Die Inflation zehrt an allem, was einen festen Betrag verspricht. Die soll sie im Zaum halten; die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig 2 Prozent an. Steigen die Preise zu schnell, dreht sie den Wasserhahn zu und erhöht die Zinsen; lahmt die Wirtschaft, dreht sie ihn wieder auf. Bis das bei den Preisen ankommt, vergehen oft eineinhalb bis zwei Jahre.

Die Politik setzt die Regeln: Steuern, Ausgaben und Schulden des Staats, Handel und Zölle, Regulierung. Sie wirkt meist über dieselben Kanäle, über Wachstum, Inflation und Zinsen. Tippen Sie auf eine Nachricht und sehen Sie, was sie mit den Anlagen macht.

Was eine Nachricht mit den Anlagen macht

  • Aktien und Beteiligungeneher GewinnerGewinne steigen
  • Staatsanleiheneher VerliererZinsen ziehen eher an, Kurse fallen
  • Unternehmenskrediteeher Gewinnerweniger Ausfälle
  • Immobilieneher Gewinnermehr Nachfrage, höhere Mieten
  • Goldgemischt oder kaum betroffenwenig gefragt
  • Tagesgeldgemischt oder kaum betroffender Zins folgt der Notenbank

Gute Zeiten für Eigentümer. Wer Anleihen hält, spürt eher die steigenden Zinsen.

eher Gewinnereher Verlierergemischt oder kaum betroffen

Tendenzen aus der Erfahrung vieler Jahrzehnte, keine Gesetze. Was tatsächlich geschieht, hängt davon ab, was schon erwartet war und wie teuer eine Anlage vorher war.

Entscheidend ist die Überraschung. Die Märkte reagieren nicht auf Nachrichten, sondern darauf, wie stark sie von dem abweichen, was schon erwartet war. Deshalb laufen Aktien der Konjunktur oft voraus.

Wie ich das in der Strategie nutze

Ich setze nicht auf das nächste Quartal. Das Umfeld geht auf zwei Wegen in die Strategie ein: in die Bandbreiten der erwarteten Renditen und in die Szenarien der Stresstests, beide im Kapitel „Strategie“. So hängt die Strategie nicht davon ab, dass eine Prognose stimmt.

Vier Wetterlagen

Wachstum und Inflation zusammen ergeben vier Wetterlagen. Jede Anlage hat ihre Lieblingslage, keine gedeiht in allen. Deshalb streut man über Anlagen, die in verschiedenen Lagen tragen, und nicht nur über viele Aktien.

Vier Wetterlagen

Inflation
hoch
Inflation
niedrig
Wachstum schwächerWachstum stärker

Stagflation

Die schwierigste Lage: Aktien und Anleihen verlieren oft zugleich.

eher Gewinner: Gold, Rohstoffe, Tagesgeld, wenn die Zinsen mit der Inflation steigen

eher Verlierer: Aktien, Staatsanleihen, Unternehmenskredite

Überhitzung

Sachwerte halten mit der Teuerung Schritt; Anleihen leiden unter steigenden Zinsen. Aktien tragen, solange die Gewinne schneller wachsen als die Zinsen.

eher Gewinner: Immobilien, Infrastruktur, Rohstoffe

eher Verlierer: Staatsanleihen, vor allem lang laufende

Abschwung

Staatsanleihen hoher Qualität sind jetzt der Halt, weil die Zinsen fallen. Aktien und Unternehmenskredite leiden.

eher Gewinner: Staatsanleihen, Gold

eher Verlierer: Aktien, Unternehmenskredite, Immobilien

Aufschwung

Rückenwind für Eigentümer. Staatsanleihen bringen ihren Zins, Gold glänzt wenig.

eher Gewinner: Aktien, Beteiligungen, Unternehmenskredite

eher Verlierer: Gold

Vereinfacht. In Wirklichkeit gehen die Lagen ineinander über, und niemand weiß vorher sicher, welche als nächste kommt. Deshalb sollte ein gutes Portfolio in allen vier tragen.

Zinsen und Immobilienpreise

Wer eine Wohnung kauft, finanziert meist einen großen Teil mit Kredit. Sinken die Zinsen, können Käufer mehr bezahlen, und die Preise steigen; steigen die Zinsen, geraten die Preise unter Druck. Die Grafik zeigt oben die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen und darunter die Preise für Eigentumswohnungen in Deutschland, über sechzig Jahre. Bewegen Sie den Regler oder zeigen Sie auf die Grafik.

Zinsen und Preise für Eigentumswohnungen in Deutschland

Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, Prozent

Preise für Eigentumswohnungen, 2000 = 100 0480100200300197019801990200020102020
19652025

Bundrendite Wohnungen, in Euro Wohnungen, nach Inflation

2025: Bundrendite 2,6 %; Wohnungen 286 in Euro, 178 nach Inflation (2000 = 100).

Jahresdurchschnitte. Quellen: OECD und Deutsche Bundesbank (Renditen); GREIX, Kiel Institut für Weltwirtschaft (Eigentumswohnungen, ganz Deutschland).

Von 2010 bis 2021 fielen die Renditen unter null, und die Wohnungspreise haben sich fast verdreifacht. Als die Zinsen ab 2022 kräftig stiegen, fielen die Preise bis Anfang 2024 um knapp 14 Prozent. Nach Inflation war der Rückgang größer: Ende 2025 lagen Wohnungen real gut ein Fünftel unter ihrem Höchststand.

Die lange Reihe zeigt noch etwas: Nach Inflation waren Eigentumswohnungen 2009 rund ein Sechstel billiger als 1981. Immobilien sind Sachwerte, aber sie steigen nicht von allein.

Der DAX: zurück und nach vorn

Der DAX misst die 40 größten Unternehmen an der Frankfurter Börse und rechnet ihre Dividenden mit ein. Ende 1987 startete er bei 1.000 Punkten, Ende Oktober 2026 stand er bei rund 25.800: im Schnitt knapp 9 Prozent im Jahr. Gerade war der Weg nie. Nach dem Platzen der Internetblase stand er Ende 2002 bei rund 2.900 Punkten, weniger als halb so hoch wie drei Jahre zuvor, und 2008 verlor er 40 Prozent.

Der DAX seit 1987, und ein Fächer für die nächsten 20 Jahre

0 %10 %
10 %30 %
131030100300Tausend Punkte199020002010202020302040 heute InternetblaseFinanzkrise
Mittlerer Weg nach 20 Jahren
82.728 Punkte
Neun von zehn Wegen enden zwischen
18.998 – 360.251
Wege, die unter dem heutigen Stand enden
10 %
DAX mit Dividenden, Jahresendstände und 30. Oktober 2026, logarithmische Skala. Quellen: Deutsche Börse, Deutsches Aktieninstitut. Fächer: logarithmisch normalverteilte Renditen um den mittleren Weg; dunkel die mittlere Hälfte, hell neun von zehn Wegen. Illustration, keine Prognose.

Nach vorn gibt es keine Linie, nur einen Fächer. Mit den Reglern stellen Sie ein, welche Rendite und welche Schwankung Sie für die nächsten 20 Jahre annehmen; seit 1988 schwankte der DAX um rund 22 Prozent im Jahr. Je größer die Schwankung, desto breiter der Fächer. Je höher die Rendite, desto seltener endet ein Weg unter dem heutigen Stand; ausgeschlossen ist es nie.

Warum die Skala in Stufen wächst

Von 1.000 auf 10.000 Punkte ist es in der Grafik so weit wie von 10.000 auf 100.000. So sieht ein Rückgang um die Hälfte 1990 genauso groß aus wie heute, und die frühen Jahre verschwinden nicht in einer flachen Linie.

Kapitel 4 von 6

Strategie

Bandbreiten statt Prognosen, tausendfach durchgerechnet, in Krisen geprüft.

Bandbreiten statt Vorhersagen

Für jede Anlageklasse, börsennotiert wie privat, schätze ich erwartete Renditen, Risiken und wie stark sie zusammenhängen. Die Schätzungen stützen sich auf Bewertungen, Zinsen, das Umfeld und lange Datenreihen; statistische Modelle und künstliche Intelligenz helfen, sie zu lesen. Heraus kommt eine plausibler Ergebnisse, keine einzelne Zahl.

Rendite über zehn JahreEine glockenförmige Kurve möglicher Renditen über zehn Jahre mit dunklerem mittlerem Band und hellerem breitem Band.ungünstigmittelgünstigRendite über zehn Jahre
Erwartete Rendite einer Anlageklasse über zehn Jahre als Bandbreite: Die dunkle Fläche enthält die Hälfte der plausiblen Ergebnisse, die helle neun von zehn. Illustration.

Viele Wege statt einer Prognose

Mit diesen Bandbreiten wird das Portfolio tausendfach über viele Jahre durchgerechnet. Der Fächer zeigt, wo das Vermögen stehen könnte: in der mittleren Hälfte aller Wege (dunkel) und in neun von zehn (hell). Mit dem Regler sehen Sie, was mehr oder weniger chancenreiche Anlagen mit dem Fächer und mit den Chancen auf zwei Ziele machen.

stabilchancenreich
  • Chancenreiche Anlagen 60 %
  • Stabile Anlagen 40 %
Fächer möglicher Vermögenswege über 20 Jahre; er wird mit mehr chancenreichen Anlagen breiter.Fächer möglicher Vermögenswege über 20 Jahre; er wird mit mehr chancenreichen Anlagen breiter.0100200300400500Kaufkraftverdoppelt05101520Jahre
Vermögen nach Inflation, Start = 100. Dunkel: mittlere Hälfte aller Wege; hell: neun von zehn; Linie: mittlerer Weg.
Kaufkraft nach 20 Jahren erhalten
91 %
Vermögen in 20 Jahren real verdoppelt
40 %
Die schlechtesten 5 % der Wege enden unter
88
Annahmen der Abbildung

Werte nach Inflation, Start = 100, keine Entnahmen. Chancenreiche Anlagen: erwartete Rendite 5 % im Jahr, Schwankung (Volatilität) 16 %. Stabile Anlagen: 1 % und 4 %. Renditen von Jahr zu Jahr und untereinander unabhängig, logarithmisch normalverteilt. Bewusst vereinfacht; keine Prognose und keine Anlageberatung.

Wenn es schlecht läuft

Wahrscheinlichkeiten reichen nicht. Ich prüfe auch, wie das Portfolio in bestimmten abschneiden würde, damit die Familie den Verlust kennt, den sie aushalten müsste, bevor er eintritt. Die Balken folgen dem Regler oben.

Aktienmärkte brechen ein−23 %
Zinsen steigen schnell−13 %
Verlust des Portfolios in zwei vereinfachten Szenarien. Chancenreiche Anlagen fallen um 40 % oder 15 %, stabile gewinnen 3 % oder verlieren 10 %.
Wie tief es in der Vergangenheit ging

Wie tief es gehen kann, zeigt die Geschichte. Ungewiss ist nur, wann ein Rückschlag kommt, wie tief er geht und wie lange er dauert. Wer und Anleihen beimischt, fällt weniger tief: Ein Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen hat seit 1900 nie mehr als die Hälfte verloren, obwohl Aktien und Anleihen jeweils für sich mehrfach über 70 Prozent verloren haben.

Große Rückschläge an den Aktienmärkten

  1. Ende der Blase in Japan, ab 1990 Nikkei 225

    Verlust−82 %
    Erholung34 Jahre (2024)
  2. Ende der Internetblase, 2000 bis 2002 Nasdaq Composite

    Verlust−78 %
    Erholung15 Jahre (2015)
  3. Ende der Internetblase, 2000 bis 2003 DAX

    Verlust−73 %
    Erholunggut sieben Jahre (2007)
  4. Finanzkrise, 2007 bis 2009 S&P 500

    Verlust−57 %
    Erholungfünfeinhalb Jahre (2013)
  5. Pandemie, 2020 S&P 500

    Verlust−34 % in fünf Wochen
    Erholungein halbes Jahr (2020)
  6. Zinswende, 2022 S&P 500

    Verlust−25 %
    Erholungzwei Jahre (2024)
Nikkei, Nasdaq und S&P 500 ohne Dividenden, DAX mit; mit Dividenden ging es schneller. Portfolio 60/40: UBS Global Investment Returns Yearbook 2026, nach Inflation.

Kapitel 5 von 6

Umsetzung

Passende Fonds und Verwalter, auch private Märkte, mit Blick auf die Kosten und mit Liquiditätsplan.

Kosten: der stille Gegenwind

Kosten wirken wie Gegenwind, jedes Jahr. Sie fallen kaum auf, weil sie vom Ertrag abgehen und auf keiner Rechnung stehen. Über Jahrzehnte entscheiden sie trotzdem mit, weil Geld, das weg ist, keinen Zinseszins mehr bringt.

Was Kosten über die Jahre ausmachen

2 %8 %
0 %3 %
1040
Ohne Kosten432.194 €
Mit Kosten324.340 €
An Kosten verloren107.854 €

25 % des Endvermögens gehen an die Kosten: 107.854 €.

Aus 100.000 Euro, ohne Entnahmen, mit gleichbleibendem Ertrag; die Kosten gehen jedes Jahr vom Ertrag ab. Rechnung, keine Prognose.

Kosten sind nicht an sich schlecht. Wer für etwas zahlt, das mehr bringt, als es kostet, etwa Zugang zu privaten Märkten oder eine Beratung, die Fehler verhindert, macht ein gutes Geschäft. Entscheidend ist, dass man weiß, was man zahlt und wofür. Steuern wirken genauso; wie man sie gestaltet, gehört in die Hände von Steuerberatern.

Auch der Weg vom Ist zum Ziel kostet. Deshalb wird schrittweise umgeschichtet: zuerst, was ohnehin frei wird, und mit Blick darauf, welche Steuern ein Verkauf auslöst.

Aktive Fonds gegen den Index

Ein bildet einen Markt einfach nach, zu geringen Kosten. Aktive Fonds versuchen, ihn zu schlagen, und verlangen dafür höhere Gebühren. Über zehn Jahre schafft das nur eine kleine Minderheit: In Europa schlugen nur rund 2 bis 4 von 100 aktiven Aktienfonds ihren Index.

Anteil aktiver Aktienfonds, die ihren Index schlugen

1 Jahr13 %
3 Jahre11 %
5 Jahre6 %
10 Jahre3 %
Aktiv verwaltete Aktienfonds in Euro, verglichen mit S&P-Indizes der jeweiligen Region, Stand 30. Juni 2026. Quelle: S&P Dow Jones Indices, SPIVA Europe Scorecard Mid-Year 2026.

Daraus folgt nicht, dass aktive Verwalter nie ihr Geld wert sind, etwa in Märkten, für die es kaum einen Index gibt, wie private Märkte. Es folgt, dass man sehr genau auswählen und regelmäßig prüfen muss. Genau daran forschen wir, etwa mit künstlicher Intelligenz bei der Fondsauswahl.

Wenige Aktien schaffen das Vermögen

Die meisten einzelnen Aktien bringen über ihre ganze Börsenzeit weniger als kurzfristige US-Staatsanleihen. Der gesamte Gewinn der Börse kommt von wenigen Unternehmen. Hendrik Bessembinder hat das für die USA seit 1926 gezeigt und mit Kollegen für mehr als 64.000 Aktien weltweit.

200 Aktien, und wer das Vermögen geschaffen hat

schufen den gesamten Zuwachsbesser als Staatsanleihen schlechter als Staatsanleihen

Von fast 26.000 US-Aktien brachten 57 Prozent über ihre ganze Börsenzeit weniger als einmonatige US-Staatsanleihen. 1.092 Unternehmen, gut 4 Prozent, schufen den gesamten Vermögenszuwachs: 35 Billionen Dollar.

200 Kästchen stehen für alle Aktien; gerundet. Quellen: Bessembinder, Journal of Financial Economics 2018; Bessembinder, Chen, Choi und Wei, Financial Analysts Journal 2023.

Wer nur wenige Aktien hält, verpasst diese wenigen leicht. Wer breit streut, hat sie dabei, ohne sie vorher kennen zu müssen.

Private Märkte brauchen einen Liquiditätsplan

Private-Equity-, Private-Debt- und Immobilienfonds rufen Kapital über mehrere Jahre ab und zahlen es später zurück. Anfangs zahlt die Familie mehr ein, als zurückfließt: die bekannte . Ich modelliere diese Zahlungsströme und die Fondswerte, damit die Zusagen zur der Familie passen.

Die Regler zeigen das Modell von Takahashi und Alexander (2002), ein verbreitetes Werkzeug, um Zusagen zu planen: wie schnell der Fonds abruft, wie stark er wächst und wann er ausschüttet. Je schneller abgerufen wird, desto tiefer die J-Kurve; je später ausgeschüttet wird, desto länger ist Geld gebunden.

Zusage von 100 an einen Private-Equity-Fonds, je Jahr

0 %15 %
20 %50 %
frühspät
−80−60−40−20020406080100123456789101112 Jahr

EingezahltAusgezahltSaldo bisherWert des Fonds

Höchster Geldbedarf
69 von 100
Geld zurück ab Jahr
9
Ausgezahlt über die Laufzeit
1,6-fach des Eingezahlten
Modell von Takahashi und Alexander (2002): Der Fonds ruft jedes Jahr einen festen Anteil der offenen Zusage ab, wächst mit gleichbleibender Rate und zahlt einen Anteil seines Werts aus, der mit dem Alter steigt, bis er nach 12 Jahren aufgelöst ist. Illustration, keine Prognose.

Wie gut das Modell trifft, etwa wenn Fonds Kreditlinien nutzen, und ob künstliche Intelligenz besser prognostiziert, untersuchen wir in betreuten Arbeiten.

Die richtigen Leute am Tisch

Die großen Momente eines Vermögens sind selten reine Anlagefragen. Ein Verkauf, eine Erbschaft oder ein Immobilienkauf berührt Recht, Steuern und Anlage zugleich. Wer das nacheinander mit drei Beratern bespricht, bekommt leicht drei Antworten, die nicht zusammenpassen. Und vieles lässt sich nur vorher gestalten, nicht hinterher.

Für jede dieser Fragen gibt es Fachleute: Fachanwälte für Gesellschafts-, Erb- und Steuerrecht, Notare, Steuerberater, eine Depotbank, Vermögensverwalter und Fonds für die liquiden Märkte und Manager für Private Equity, Private Debt und Immobilien. Entscheidend ist, dass sie rechtzeitig am Tisch sitzen und jemand darauf achtet, dass ihre Antworten zusammenpassen.

Wer wann gebraucht wird

Recht und Steuern

  • Fachanwalt für GesellschaftsrechtHolding, Gesellschafts- und Geschäftsführerverträge, Beteiligungen, Kauf und Verkauf von Unternehmen
  • Fachanwalt für ErbrechtTestament und Erbvertrag, Übergabe zu Lebzeiten, Pflichtteil, Stiftungen
  • Fachanwalt für SteuerrechtGestaltung vor Verkauf, Schenkung und Erbschaft, Familienstiftung, Wegzug, Betriebsprüfung und Streit mit dem Finanzamt
  • SteuerberaterLaufende Steuern und Abschlüsse, Steuern vorab durchrechnen, Erträge aus Fonds und Beteiligungen
  • NotarBeurkundet Kauf, Schenkung, Erbvertrag und Gesellschaftsverträge

Bank

  • DepotbankVerwahrung, Handel und Berichte, Kredite gegen Wertpapiere
  • LiquiditätTagesgeld, Festgeld und Geldmarktfonds: Notgroschen und anstehende Zahlungen

Die Familie

StrategieZahlen und Koordination

Liquide Märkte

  • VermögensverwalterAktien und Anleihen im Mandat, auch Einzeltitelstrategien
  • Fonds und ETFsBreit gestreute Bausteine, passiv oder aktiv
  • GoldBarren im Tresor oder börsengehandelt im Depot

Private Märkte

  • Private EquityBeteiligungsfonds und Co-Investments
  • Private DebtKreditfonds und direkte Unternehmenskredite
  • ImmobilienAnkauf, Vermietung und Verwaltung
Rechts- und Steuerberatung leisten die Anwälte, Notare und Steuerberater selbst.

Kapitel 6 von 6

Überprüfung

„Was man versteht, hält man auch in der Krise durch.“

Regeln, die in der Krise tragen, Geduld und ein fester Blick einmal im Jahr.

Regeln aufschreiben und durchhalten

Odysseus ließ sich an den Mast binden, bevor das Schiff an den Sirenen vorbeifuhr. Er wusste, dass er ihrem Gesang nicht widerstehen würde, und entschied deshalb vorher, in Ruhe. Anlagerichtlinien leisten dasselbe für ein Vermögen: Sie legen fest, was in einer Krise geschieht, solange noch keine Krise ist.

Am Ende steht ein Vorschlag, der begründet, warum jeder Teil des Vermögens so angelegt wird. Nach Entscheidung und Umsetzung wird die Allokation regelmäßig überprüft. Anlass für eine Änderung ist ein Ereignis im Leben der Familie, etwa ein Verkauf, ein Erbfall oder der Eintritt der nächsten Generation, oder eine deutlich veränderte Annahme über die Märkte, nie allein die Kurse.

Läuft ein Teil weg, etwa weil Aktien stark gestiegen sind, wird er in die vereinbarte Bandbreite zurückgeführt. Ein Bericht zeigt regelmäßig, wo das Vermögen steht, was es gekostet hat und ob es noch zum Plan passt.

Was in Anlagerichtlinien steht
Was in Anlagerichtlinien steht
Bausteindie Frage dahinter
ZweckWofür ist das Vermögen da?
ZieleWas soll nach Inflation, Kosten und Entnahmen bleiben?
Entnahmen und LiquiditätWie viel fließt jährlich ab, wie viel muss jederzeit verfügbar sein?
RisikoWelchen Verlust trägt die Familie, ohne ihre Pläne zu ändern?
Töpfe und QuotenWie viel gehört in welchen Topf, mit welcher Bandbreite?
UmschichtenWann wird zur Zielquote zurückgeführt?
Erlaubte Anlagen und GrenzenWas ist ausgeschlossen, wie groß darf eine Position sein, wie viel ist illiquide, wie viel auf Kredit?
WerteWas will die Familie nicht finanzieren, was ausdrücklich?
ZuständigkeitenWer entscheidet, wer setzt um, wer kontrolliert?
Berichte und ÜberprüfungWoran wird gemessen, wie oft wird überprüft?

Gliederung angelehnt an das CFA Institute (2010).

Zu jeder Regel gehört ihre Begründung. Wer in zehn Jahren dazukommt, war bei keiner Entscheidung dabei; die Richtlinie ist dann das Gedächtnis der Familie.

Geduld: je länger, desto ruhiger

Das Deutsche Aktieninstitut hat für jedes Jahr seit 1975 ausgerechnet, was eine Anlage im DAX gebracht hätte, je nachdem, wie lange man sie hielt. Ziehen Sie den Regler: Für ein Jahr reicht das Ergebnis von 44 Prozent Verlust bis 84 Prozent Gewinn. Je länger die Anlagedauer, desto enger rücken die Punkte zusammen.

DAX: Rendite im Jahr, je nachdem, wie lange man hielt

130
−40 %−20 %0 %20 %40 %60 %80 %
Schlechtester Zeitraum
−43,9 % 2002
Durchschnitt
11,2 %
Bester Zeitraum
84,1 % 1985
Zeiträume mit Verlust
13 von 50
Jeder Punkt ist ein Zeitraum: gekauft am Ende eines Jahres, verkauft am Ende eines späteren, 1975 bis 2025. DAX mit Dividenden, vor Kosten und Steuern; Jahre vor 1987 zurückgerechnet. Quelle: Deutsches Aktieninstitut, DAX-Rendite-Dreieck, Stand 31. Dezember 2025.

In diesen 50 Jahren lag jeder im Plus, der 13 Jahre oder länger dabeiblieb. Am schlechtesten traf es, wer Ende 1999 kaufte, auf dem Höhepunkt der Internetblase: Zwölf Jahre später lag er noch leicht im Minus. Das ist Geschichte, keine Garantie; aber es zeigt, warum Zeit eine der Säulen ist.

Die besten Tage kommen gleich nach den schlechtesten

Wer in der Krise aussteigt, um ruhigere Zeiten abzuwarten, verpasst leicht die besten Tage. J.P. Morgan hat das für US-Aktien über 20 Jahre durchgerechnet. Ziehen Sie den Regler: Wer nur die zehn besten Tage verpasste, hatte am Ende weniger als die Hälfte.

10.000 Dollar in US-Aktien, 2005 bis 2024

060
Immer investiert71.750 $
10 beste Tage verpasst32.871 $
20 beste Tage verpasst19.724 $
30 beste Tage verpasst12.948 $
40 beste Tage verpasst8.905 $
50 beste Tage verpasst6.386 $
60 beste Tage verpasst4.712 $

Endwert 71.750 $, das sind 10,4 % im Jahr.

S&P 500 mit Dividenden, 3. Januar 2005 bis 31. Dezember 2024, vor Kosten. Quelle: J.P. Morgan Asset Management, Guide to Retirement 2025.

Der Haken: Sieben der zehn besten Tage lagen innerhalb von zwei Wochen um die zehn schlechtesten. Wer in der Panik verkauft hatte, war meist nicht rechtzeitig zurück.

Verhalten: die Lücke zwischen Fonds und Anlegern

Fonds melden ihre Rendite so, als hätte jemand am ersten Tag gekauft und nie verkauft. Anleger kaufen aber oft nach guten Jahren und verkaufen nach schlechten. Morningstar misst deshalb, was der durchschnittliche Dollar in den Fonds tatsächlich verdient hat.

Was Fonds verdienten, und was ihre Anleger verdienten

Fonds (kaufen und halten)9,9 %
Ihre Anleger (mit Käufen und Verkäufen)8,7 %
Rendite im Jahr, US-Investmentfonds und ETFs, zehn Jahre bis Ende 2025. Quelle: Morningstar, Mind the Gap 2026. Nachrechnung: Fulkerson, Jordan, Riley und Yan, Financial Analysts Journal 82 (3), 2026.

Wie viel davon wirklich auf schlechtes Timing zurückgeht, ist umstritten. Eine Studie im Financial Analysts Journal (2026) rechnet Morningstars Studie von 2025 nach und kommt auf nur etwa 0,1 Prozentpunkte im Jahr; der größte Teil der Lücke hat danach andere Ursachen. Sicher ist: Wer im Tief verkauft, verpasst die Erholung. Bei breit gestreuten Anlagen kam sie bisher nach jedem großen Rückschlag, manchmal erst nach vielen Jahren.

Was es zum Erfolg braucht

Gute Geldanlage ruht auf mehreren Säulen. Fehlt eine, hilft es wenig, dass die anderen stark sind: Die beste Strategie nützt nichts, wenn man sie in der ersten Krise aufgibt, und die beste Anlage wenig, wenn Kosten und Steuern den Ertrag auffressen.

Sieben Säulen

  1. Wissen

    Verstehen, was man besitzt, woher der Ertrag kommt und was die Märkte bewegt.

    Mehr dazu: Wohin das Geld fließt, Klima und Wetter

  2. Plan und Prozess

    Ziele, auf die sich alle geeinigt haben, eine Strategie, Regeln auf Papier und ein fester Ablauf, der jedes Jahr wiederkehrt.

    Mehr dazu: Erst die Ziele, Regeln aufschreiben und durchhalten

  3. Zugang

    Zu guten Verwaltern, Fonds und Produkten, auch zu privaten Märkten, und das Wissen, wer an welcher Lösung verdient.

    Mehr dazu: Private Märkte brauchen einen Liquiditätsplan

  4. Netzwerk

    Fachleute für Recht, Steuern und Immobilien, die rechtzeitig am Tisch sitzen, solange sich noch etwas gestalten lässt.

    Mehr dazu: Die richtigen Leute am Tisch

  5. Zeit

    Sich Zeit nehmen für die Entscheidungen, und dem Geld Zeit lassen: Der Zinseszins braucht Jahrzehnte.

    Mehr dazu: Warum man Geld anlegt

  6. Disziplin

    Beim Plan bleiben, wenn die Kurse fallen. Wer im Tief verkauft, macht aus einem Verlust auf dem Papier einen echten.

    Mehr dazu: Wenn es schlecht läuft, Verhalten: die Lücke zwischen Fonds und Anlegern

  7. Kosten und Steuern

    Was an Gebühren und Steuern abgeht, fehlt jedes Jahr, und dann fehlt es auch dem Zinseszins.

    Mehr dazu: Kosten: der stille Gegenwind, Die richtigen Leute am Tisch

Fehlt eine Säule, trägt das Dach nicht.

Wissen, Plan, Zugang und Netzwerk kann man sich aufbauen oder dazuholen; dafür gibt es Fachleute. Zeit und Disziplin muss jeder selbst aufbringen. Dabei helfen klare Regeln, die vorher festlegen, was in einer Krise geschieht.

Die Forschung dahinter

Zu jedem dieser Schritte forsche ich, mit meinem Team, mit Promovierenden und Studierenden und mit Partnern an Universitäten. Welche Fragen das sind und was dabei herauskommt, steht auf der Seite Werdegang und Forschung.

Zur Zeitleiste meiner Forschung

Begriffe kurz erklärt

Notgroschen
Geld für Unvorhergesehenes, an das man sofort herankommt, meist drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto.
Inflation
Die Preise steigen, das Geld kauft weniger. Bei 2 % Inflation kostet, was heute 100 Euro kostet, in einem Jahr 102 Euro.
Zinseszins
Auch die Erträge bringen wieder Erträge. Deshalb wächst Geld über lange Zeit nicht gleichmäßig, sondern immer schneller.
Gläubiger
Wer Geld verleiht und dafür einen festen Betrag versprochen bekommt: Zinsen und am Ende das Geld zurück.
Eigentümer
Wem ein Teil eines Unternehmens oder einer Immobilie gehört. Eigentümer bekommen, was nach allen Kosten und Zinsen übrig bleibt: manchmal viel, manchmal nichts.
Anleihe
Ein Kredit an ein Unternehmen oder einen Staat, in kleine Stücke geteilt, die man handeln kann. Man bekommt einen festen Zins und am Ende das Geld zurück, solange der Schuldner zahlen kann.
Aktie
Eine Aktie ist ein kleines Stück eines Unternehmens. Wer sie hält, der Aktionär, ist Miteigentümer und bekommt einen Teil des Gewinns (die Dividende) und eine Stimme auf der Hauptversammlung, aber keinen festen Betrag.
Börse
Ein Marktplatz für Aktien und Anleihen. Die Preise stehen an jedem Handelstag fest, und man kann meist schnell verkaufen.
Private Equity
Beteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden, meist über Fonds mit zehn Jahren Laufzeit oder mehr.
Private Debt
Kredite an Unternehmen, die nicht von einer Bank oder über die Börse kommen, sondern direkt von Fonds.
Staatsanleihe
Ein Kredit an einen Staat. Er zahlt den Zins aus Steuern und neuen Schulden. Steigen die Zinsen, fällt der Kurs älterer Anleihen.
Konjunktur
Das Auf und Ab der Wirtschaft um ihren langfristigen Pfad: Aufschwung, Hochphase, Abschwung, Tal. Ein Zyklus dauert meist einige Jahre.
Notenbank
Die Bank für das Geld eines Währungsraums, im Euroraum die Europäische Zentralbank (EZB). Sie legt die Leitzinsen fest, zu denen sich Banken bei ihr Geld leihen und anlegen, und soll die Preise stabil halten.
Bandbreite
Statt einer Zahl die Spanne, in der das Ergebnis wahrscheinlich liegt. Ehrlich über die Unsicherheit und nützlicher als eine genau klingende Prognose.
Stresstest
Die Rechnung, was mit dem Vermögen in einer bestimmten Krise geschähe, etwa einem Börsencrash oder steigenden Zinsen, bevor sie eintritt.
J-Kurve
In den ersten Jahren eines Fonds für private Märkte fließt mehr Geld hinein als zurück. Über die Zeit gezeichnet sieht der Saldo aus wie ein J: erst nach unten, dann nach oben.
Liquidität
Wie schnell man an sein Geld kommt, ohne viel zu verlieren. Ein Konto ist sofort liquide, ein Private-Equity-Fonds oft erst nach Jahren.
Streuen
Das Geld auf viele Unternehmen, Länder und Anlagearten verteilen, damit kein einzelner Rückschlag das Ganze trifft.
Indexfonds
Ein Fonds, der einen Index wie den DAX einfach nachbildet, statt Aktien auszuwählen. Er ist meist günstig; an der Börse gehandelt heißt er ETF.

Zinseszins

Auch die Erträge bringen wieder Erträge. Deshalb wächst Geld über lange Zeit nicht gleichmäßig, sondern immer schneller.

Notgroschen

Geld für Unvorhergesehenes, an das man sofort herankommt, meist drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto.

Inflation

Die Preise steigen, das Geld kauft weniger. Bei 2 % Inflation kostet, was heute 100 Euro kostet, in einem Jahr 102 Euro.

Gläubiger

Wer Geld verleiht und dafür einen festen Betrag versprochen bekommt: Zinsen und am Ende das Geld zurück.

Eigentümer

Wem ein Teil eines Unternehmens oder einer Immobilie gehört. Eigentümer bekommen, was nach allen Kosten und Zinsen übrig bleibt: manchmal viel, manchmal nichts.

Anleihe

Ein Kredit an ein Unternehmen oder einen Staat, in kleine Stücke geteilt, die man handeln kann. Man bekommt einen festen Zins und am Ende das Geld zurück, solange der Schuldner zahlen kann.

Aktie

Eine Aktie ist ein kleines Stück eines Unternehmens. Wer sie hält, der Aktionär, ist Miteigentümer und bekommt einen Teil des Gewinns (die Dividende) und eine Stimme auf der Hauptversammlung, aber keinen festen Betrag.

Börse

Ein Marktplatz für Aktien und Anleihen. Die Preise stehen an jedem Handelstag fest, und man kann meist schnell verkaufen.

Private Equity

Beteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden, meist über Fonds mit zehn Jahren Laufzeit oder mehr.

Private Debt

Kredite an Unternehmen, die nicht von einer Bank oder über die Börse kommen, sondern direkt von Fonds.

Staatsanleihe

Ein Kredit an einen Staat. Er zahlt den Zins aus Steuern und neuen Schulden. Steigen die Zinsen, fällt der Kurs älterer Anleihen.

Konjunktur

Das Auf und Ab der Wirtschaft um ihren langfristigen Pfad: Aufschwung, Hochphase, Abschwung, Tal. Ein Zyklus dauert meist einige Jahre.

Notenbank

Die Bank für das Geld eines Währungsraums, im Euroraum die Europäische Zentralbank (EZB). Sie legt die Leitzinsen fest, zu denen sich Banken bei ihr Geld leihen und anlegen, und soll die Preise stabil halten.

Bandbreite

Statt einer Zahl die Spanne, in der das Ergebnis wahrscheinlich liegt. Ehrlich über die Unsicherheit und nützlicher als eine genau klingende Prognose.

Stresstest

Die Rechnung, was mit dem Vermögen in einer bestimmten Krise geschähe, etwa einem Börsencrash oder steigenden Zinsen, bevor sie eintritt.

Streuen

Das Geld auf viele Unternehmen, Länder und Anlagearten verteilen, damit kein einzelner Rückschlag das Ganze trifft.

Indexfonds

Ein Fonds, der einen Index wie den DAX einfach nachbildet, statt Aktien auszuwählen. Er ist meist günstig; an der Börse gehandelt heißt er ETF.

J-Kurve

In den ersten Jahren eines Fonds für private Märkte fließt mehr Geld hinein als zurück. Über die Zeit gezeichnet sieht der Saldo aus wie ein J: erst nach unten, dann nach oben.

Liquidität

Wie schnell man an sein Geld kommt, ohne viel zu verlieren. Ein Konto ist sofort liquide, ein Private-Equity-Fonds oft erst nach Jahren.